Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, für eine erstaunliche Aufmerksamkeit sorgte nach dem Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntagabend, dass einige Spieler – wie es Felix Nmecha ausdrückte – „einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht“ haben. Ich habe mich nicht näher mit der Konfession oder Lebensauffassung dieses Fußballspielers und seiner Kameraden beschäftigt, aber diese erfrischende Selbstverständlichkeit, dass man „einfach“ miteinander ein kleines Gebet spricht, fand ich erfreulich.
Natürlich wurden verschiedene Ansichten geäußert: Darf man das? Ist das die richtige Form? Werden alle Religionen von den Medien gleich behandelt? … Darauf will ich gar nicht eingehen. Ich will darüber nachdenken im Blick auf die eben gehörten Worte aus dem Munde Jesu. Er sagt: „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht…“ und weiter: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen“.
Glaube und Bekenntnis gehören zusammen. Im Sinn des Evangeliums ist Glaube kein privates „Gefühl“. Es geht um die Suche nach dem Grund meines Lebens und dem Grund aller Dinge. „Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, sprechen wir Sonntag für Sonntag im Credo. Und vielleicht weil wir es schon so oft gesprochen haben, ist uns der Umfang dieser Worte nicht immer gewahr. Denn wenn Gott der Schöpfer und Urgrund aller Dinge ist, dann hat er auch mit allem in meinem Leben zu tun. Hier im Gottesdienst, aber ebenso in meiner täglichen Arbeit, in der Kirche und ebenso in meinem Zuhause… Zugegeben, ein hoher Anspruch. Aber drunter macht es Jesus nicht. Gleichzeitig sagt er uns zu, wenn du diese Entscheidung getroffen hast, dann brauchst du dich nicht mehr zu fürchten – vor keiner Bedrohung und keiner Macht dieser Welt.
Der heilige Paulus begründet uns das theologisch. In der Zweiten Lesung haben wir gehört, wie der Apostel davon spricht, dass die „Herrschaft des Todes“ gebrochen ist für alle, die an Christus glauben. Die Zeilen aus dem Römerbrief sind anspruchsvoll. Im Kern geht es um die Frohe Botschaft, dass Jesus an unsere Stelle getreten ist und die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen hat. Er ist meinen Tod gestorben am Kreuz. Darum ist alles anders, wenn ich ihm glaube. Ich bin nie allein, nicht einmal in der dunkelsten Stunde des Sterbens. Ich falle nicht ins Nichts, sondern darf mich vom Herr führen lassen in die Auferstehung. Das meint es, wenn wir sagen: Jesus ist der Herr!
Wenige, doch gewichtige Worte. Sie wollen uns die Menschenfurcht und die anderen Ängste nehmen, die uns bedrängen. Bereits der Prophet Jeremia erzählt uns, wie er diese Befreiung am eigenen Leib erfahren hat. Er hat Zeugnis gegeben für Gott und die Weisungen Gottes. Dafür will man ihn zu Fall bringen. Man drängt ihn aus der Gemeinschaft und wirft ihn in eine Grube, wo man hofft, dass er verendet. „Doch der Herr stand mir bei“, rief er uns in der Ersten Lesung zu. Jeremia macht die Erfahrung, dass Gott ihn nicht im Stich lässt, er ist bei ihm selbst in der „Grube“.
Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken. Wir dürfen davon Zeugnis geben – nicht „besserwisserisch“ oder überheblich, nein, bescheiden, aber doch fröhlich und frei. Das hat mir an der eingangs erzählten Begebenheit gefallen. Eigentlich ist das gar nicht so kompliziert. Vielleicht ein Kreuzzeichen, bevor ich esse – auch in der Öffentlichkeit; vielleicht ein Innehalten, wenn die Glocken zum Gebet rufen; vielleicht der Sonntagsmesse den Vorrang geben in der Planung, auch wenn viele Einladungen an mich herangetragen werden… „Fürchtet euch nicht“! Amen.
21.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler
