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Wir leben von Seiner Gegenwart

Predigt von Pfarrer Daigeler zu Fronleichnam A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, ein guter Freund ist Pfarrer in Norwegen. Wenn ich ihn besuchen darf, dann beeindruckt mich, wie weite Wege die Katholiken dort auf sich nehmen, um an der Heiligen Messe teilzunehmen. Es ist dort nicht alles besser als bei uns. Auch lässt sich nicht alles vergleichen. Aber mich erinnert es daran, wie kostbar die gemeinsame Feier der Heiligen Messe ist. Und der Dankbarkeit für dieses große Geschenk des Herrn ist das heutige Fest geweiht.

Eben haben wir einen Abschnitt aus der „Brotrede“ gehört. Jesus predigt in der Synagoge von Kafarnaum. Und seine Worte lassen es nicht an Klarheit missen. Als Jesus vom „Brot des Lebens“ spricht, das sein eigenes Fleisch ist, hört man geradezu das Unverständnis und den Widerstand. Offen berichtet der Evangelist Johannes davon: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ „Was er sagt, ist unerträglich“… Doch Jesus beschwichtigt nicht: So ernst habe ich das nicht gemeint. Nein, er bekräftigt noch einmal: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, habt ihr das Leben nicht in euch.“

Ohne den Herrn können wir nicht leben, nicht seine Freunde sein, nicht seine Kirche sein. Hier ist das Evangelium ganz klar. Und die Kirche hat das von den Anfängen bis heute so verstanden. Natürlich war es nicht ganz einfach eine geeignete Sprache zu finden, um zu erklären, dass wir wirklich Christus selbst empfangen, wenn wir die heilige Kommunion essen. „Augen, Mund und Hände täuschen sich“, schreibt der große Thomas von Aquin. Doch wir vertrauen dem Wort Jesu: „Das ist mein Leib“. Nicht nur ein Bild, nicht nur eine Erinnerung, sondern er selbst, der ganze Christus. Dem Staunen über dieses Glaubensgeheimnis ist die Prozession und die Feierlichkeit des Fronleichnamstages gewidmet.

Fronleichnam ist ein wunderschönes Fest, doch es reicht nicht aus. Wir müssen jeden Sonntag die Heilige Messe mitfeiern, damit wir mit Christus verbunden bleiben, damit wir lebendige Glieder seines Leibes bleiben. Denn hier verkünden wir den Tod und die Auferstehung des Herrn, bis er wiederkommt. So lehrte der heilige Paulus.

Der Glaube an die Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie ist eine Vertrauenssache. Und doch ist diese Gegenwart auch an konkrete Voraussetzungen geknüpft, das kennzeichnet unsere katholische Sicht. Wir brauchen die Gaben der Erde und der menschlichen Arbeit: Brot und Wein. Wir brauchen den Priester, der auf sakramentale Weise die Gegenwart des Herrn vermittelt. Wir brauchen die Kenntnis darüber, was zu tun ist. Wir brauchen die Zeit und die Mühe, die wir aufbringen, um zur Kirche zu kommen… Und hier kommt das ins Spiel, was wir im Korintherbrief lesen, den ältesten Hinweisen im Neuen Testament zur Feier der Heiligen Messe.

„Ein Brot ist es, darum sind wir viele ein Leib“. Ganz deutlich unterstreicht der Apostel den Zusammenhang von Eucharistie und Kirche. Die Kirche lebt aus der Eucharistie. Alle Mitfeiernden müssen sich aber von der Kommunion mit dem Herrn prägen lassen und auch Kommunion untereinander haben. Jeder Katholik ist in jeder katholischen Messe willkommen. Das gilt. Gleichzeitig müssen wir uns, auch einbinden lassen in die konkrete Gemeinde des Herrn. Sonst läuft unser Glaube Gefahr, einseitig, egoistisch oder rein geistig zu werden und wäre damit nicht mehr katholisch.

Die Botschaft ist klar: Christus ist selbst gegenwärtig unter der Gestalt des Brotes in der heiligen Kommunion. Ohne diese Feier seiner Gegenwart gibt es keine Kirche. Darum ist die Sonntagsmesse so wichtig. Doch dieses Bekenntnis fordert uns heraus, dass wir uns an den Herrn und seine Gemeinde binden lassen, dass wir unsere Zeit und unsere Talente opfern, damit wir würdig sein Opfer feiern können und so das Leben haben. Amen.

04.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler