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Vergebung - die höchste Freiheit

Predigt von Pfarrer Daigeler zum 24. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wenn man Reden, social media oder Gespräche verfolgt, dann ist häufig zu hören, was andere falsch gemacht haben oder machen. Manchmal zurückhaltend, oft in gereiztem Ton. Hinzu kommen Ansprüche, die erhoben werden: Was mir „zusteht“ – nach so und so vielen Jahren Arbeit, als Bürger dieses Landes, bei diesen oder jenen Beschwerden und Schwierigkeiten… Menschen in medizinischen Notdiensten, Mandatsträger, Mitarbeiter in Behörden oder bei Beförderungsunternehmen können ein Lied davon singen…

Wenn wir das heutige Evangelium hören, dann müssen wir festhalten: Die Worte Jesu stehen im Gegensatz zu den verbreiteten Haltungen und Handlungen. Ziemlich herausfordernd ist das Evangelium, indem Jesus schließlich sagt, dass Gott mich nur aufnehmen wird, wenn ich meinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergebe.

Es gibt Stellen in der Heiligen Schrift, die schwer verständlich sind. Das kann man über die heutigen Schrifttexte nicht sagen. Sie sind klar. „Groll und Zorn sind ein Gräuel“ und nur „ein sündiger Mensch hält an ihnen fest“. Der Ruf zur Vergebungsbereitschaft war in der Lesung aus dem Alten Testament klar und ist es auch im Evangelium. Und das wird nicht an irgendwelche Kautelen geknüpft: Wenn dein Nächster dies oder das macht, wenn er so oder so spricht oder handelt, dann sollst du ihm vergeben. Nein, nur wer dem Nächsten vergibt, darf auf die Vergebung der eigenen Sünden hoffen, darf auf Heilung durch den Herrn hoffen.

Eigentlich sprechen wir diesen Zusammenhang täglich im Vaterunser aus. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Und doch fragen wir wie Petrus: Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? Wie weit muss meine Geduld gehen? Kaum eine Frage im Evangelium beantwortet Jesus so eindeutig wie diese. Er gibt seinen Jüngern auf, immer neu zu vergeben.

Oft werden die Gebote der Kirche diskutiert. Manche meinen diese oder jene Regel sei zu streng. Ich meine, das Gebot Jesu, das wir heute hören, ist das Schwerste. Im Vergleich dazu ist es einfach, am Freitag zu fasten, am Sonntag in die Kirche zu gehen oder das Eigentum des Nächsten zu achten. Auch das ist nicht leicht. Bitte nicht missverstehen. Und es ist wichtig. Aber wirklich zu vergeben, ist schwer. Wie viel Unversöhntes gibt es manchmal zwischen Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern oder in unseren Gemeinden zwischen Nachbarn und Familien. Oft wird das über Jahre mitgeschleppt und weitergegeben. Keiner findet einen Ausweg.

Dabei ist der einzige Ausweg die Vergebung. Sie ist der höchste Akt der Freiheit. Denn sie sagt: Ich lasse mich nicht bestimmen von diesem falschen Wort, von dieser Tat oder jener Verletzung. Ich entscheide: Das lasse ich nicht über mich bestimmen. Und diese Entscheidung ist nicht zu trennen von der Vergebung, die ich gewähre.

Vergebung ist nicht naiv. Vergebung heißt nicht zu sagen: Alles nicht so schlimm… Alles ist in Ordnung… Nein, Unrecht bleibt Unrecht. Und es muss beim Namen genannt werden, um vergeben zu werden. Doch Jesus erinnert daran: Wir sind alle vergebungsbedürftig. Es hilft nicht, auf „Ansprüche“ zu pochen: „Der muss zuerst…“ Nein, wir alle müssen um Vergebung bitten und Vergebung gewähren. Nie sind wir Gott so nahe, wie in dem Moment, in dem wir einem anderen von Herzen vergeben. Denn dieses Handeln ist göttlich. Davon leben wir. Davon lebt der andere. Das ist der neue Weg, den Jesus uns weist. Amen.

13.09.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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