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Keine einfachen Antworten

Predigt von Pfarrer Daigeler zum 29. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, auf den ersten Blick scheint die Antwort Jesu im Evangelium klar. Ganz so einfach ist es freilich nicht. Doch schauen wir genauer hin.

Die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern, dass sich früher Pfarrer in der Predigt häufiger zu politischen, auch parteipolitischen Fragen äußerten. Heute ist das seltener geworden. Nun könnte man meinen, die Worte Jesu: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ hätten die Frage geklärt. Doch schon damals ist die Sache komplexer.

Zunächst geht es um die Frage: Kann man den Glauben nur richtig in einer Art Sonderwelt leben? Darf es keinerlei Zusammenwirken von gläubigen und nicht-gläubigen Menschen, von staatlichen und religiösen Verantwortungsträgern geben? Das wurde und wird diskutiert. Da gibt es extreme Gruppen, die ihre Anhänger am liebsten alle in einem Ort sammeln möchte, damit sie gar nicht in Versuchung kommen, sich anderen Meinungen auszusetzen. Es gibt aber auch atheistische Bewegungen, die jegliche religiöse Äußerung aus der Öffentlichkeit verbannen möchten, kein Kreuz mehr in einem staatlichen Gebäude sehen wollen... Beides verwirft die Antwort Jesu. Jesus gibt den jüdischen Fragestellern keine Rechtfertigung an die Hand, wie sie sich der römischen Obrigkeit und deren praktischer Zuständigkeit einfach religiös verbrämt entziehen könnten.

Es gibt kein Christsein im Labor oder unter klinischen Bedingungen. Die Nachfolge Jesu geschieht mitten in der Welt, wie diese nun einmal ist. Und damit diese Welt funktioniert, braucht es eine weltliche Ordnung. Was täten wir am Ende des Tages ohne Schulen und Straßen…? Die Erste Lesung aus dem Alten Testament geht so weit, dass sie bekennt: Auch nicht-gläubige Menschen können zum Werkzeug Gottes werden und Gutes bewirken. Der König Kyros war kein Jude. Wir wissen nicht, ob er an Gott glaubte. Und doch wird durch sein Wirken das Volk Israel aus der Verschleppung befreit.

In der Antwort Jesu liegt gleichzeitig auch eine Zurückweisung überhöhter staatlicher Ansprüche. Was zeigen ihm die Fragesteller? Sehr wahrscheinlich eine Münze mit dem Bild des römischen Kaisers Tiberius. Die römischen Kaiser jener Zeit beanspruchten, selbst „Göttersöhne“, selbst „Götter“ zu sein. Auch das schließt Jesus aus. Gott zu geben, was Gott gehört, ist ein ungleich größerer Anspruch als dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört. Es gibt nur einen Gott!

Von den ersten Christen hören wir: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Die notwendige Verpflichtung, sich für das Gemeinwesen zu engagieren, ersetzt nicht die Gewissensfreiheit. Um es zu konkretisieren: Wir können als Christen nie akzeptieren, wenn einem Menschen die Menschenwürde aberkannt wird – sei er geboren oder ungeboren, gesund oder krank, Ausländer oder Inländer…

Noch einmal: Wir dürfen praktische Fragen, in denen es notwendigerweise verschiedene Meinungen und auch Irrtümer geben darf, nicht religiös oder weltanschaulich überhöhen. Ob eine Tempo 30-Zone einrichtet, ob ein neuer Weg rechts oder links um den Ort führt oder mit welchem Alter man in Rente gehen darf, darüber gibt uns das Evangelium keine zusätzliche Klarheit. Und die Hitzigkeit, mit der gerungen wird, ist nicht mit Gewissensentscheidung zu verwechseln.

Gleichzeitig gibt es Fragen, in denen dürfen wir als Christen nie schweigen. Wenn das „Durchleuchten“ von Kindern im Mutterleib dazu führt, dass wir es für „normal“ halten, dass behinderte Kinder nicht mehr das Licht der Welt erblicken dürfen. Wenn die These vertreten wird, ein Volk dürfe über die Freiheit und Integrität von anderen Völkern entscheiden…

Jesus gibt klare Antworten, aber keine einfachen. Das gilt für damals, das gilt für heute. Uns bleibt die Unterscheidung aufgegeben, was „des Kaisers“ und was Gottes ist, was mein eigener Wunsch und was der Auftrag Jesu ist. Da können wir gar nicht genug um den Heiligen Geist bitten, um zu erkennen, was zu tun ist. Amen.

18.10.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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