Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, mit Einladungen ist das so eine Sache. Jeder, der schon ein Fest vorbereitet hat, weiß, dass man oft nachfragen muss: Kommst du oder kommst du nicht? Mancher lässt sich Zeit mit der Antwort. Mancher wartet vielleicht, ob noch eine attraktivere Veranstaltung angeboten wird an besagtem Tag… Natürlich gibt es auch Menschen, die sagen gleich: Ja oder Nein. Und das gilt dann auch.
Die Menschen im Gleichnis Jesu sind jedenfalls um Ausreden nicht verlegen. Alles Mögliche haben sie zu tun, was ihnen wichtiger ist oder dringlicher erscheint. Mir ist das Gleichnis in innerkirchlichen Diskussionen wichtig geworden. Oft wird ja die Annahme geäußert, dass sich auch diejenigen, die nicht in die Kirche kommen, für den Glauben interessieren würden. Auch ist zu hören: Ja, wenn in unserem Ort um diese Uhrzeit Gottesdienst wäre oder wenn die Musik moderner oder dieses oder jenes anders wäre, dann würden Menschen kommen…
Ich glaube das nicht. Ohne über irgendjemanden ein moralisches Urteil fällen zu wollen, sage ich: Das, was mir wichtig ist, dafür nehme ich mir Zeit. Und das, was eben nicht so wichtig ist für mich, das wird hinten angereiht. Wir Menschen haben kaum etwas so Kostbares zu geben wie unsere Zeit. Das gilt, wenn ein Nachbar meine Hilfe oder ein offenes Ohr braucht, wenn die Glocken zum Gottesdienst einladen, wenn sich die Frage stellt: ob ich den Morgen mit einem kurzen Gebet beginne oder gleich zum Smartphone greife… Es geht nicht ums Schimpfen. Es geht darum, dass jeder ehrlich in sein Herz und auf seine Verhaltensweisen schaut. Das, was wir tun, sagt mehr über uns, als das, was wir sagen.
Gleichzeitig ist die Einladung, von der wir bereits in der alttestamentlichen Lesung hörten, unglaublich großzügig. Gott rechnet nicht kleinlich: Wie viele soll ich einladen? Wie viel darf das Essen kosten? „Feinste Speisen, erlesene Weine“, hieß es. Gott ist großzügig. Gott sei Dank! Wie könnten wir sonst in unserer Armseligkeit und Kleinlichkeit vor ihm bestehen.
Darum treffen wir bei seinem Festmahl ganz unterschiedliche Menschen. Nicht nur Menschen, die mir genehm sind, die meine Freunde sind; „Gute und Böse“, hieß es im Evangelium. Von „allen Völkern“ war die Rede in der Lesung. Und das ist doch ein großartiges Angebot, das wir als Kirche der Welt machen. Wir sind Boten einer Einladung, die ganz unterschiedliche Menschen zusammenzuführen imstande ist. Denn diese Einladung ist nicht von einer Partei oder einer Gruppe ausgesprochen für ihre Anhänger. Gott lädt alle Menschen ein. Und in unserer katholischen Kirche können wir konkret diese Erfahrung in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes machen. Bei aller Unterschiedlichkeit können wir gemeinsam feiern in der Ordnung, die uns die Kirche schenkt.
Wer ein Fest organisiert, weiß, dass das schön, aber auch anstrengend ist. Alle müssen mithelfen und mitmachen. Wenn wir nur „Konsumenten“ sind und uns bedienen lassen, wird das Fest misslingen. Wenn jeder etwas einbringt, seine Zeit, seine Talente, sein Engagement für Kirchenschmuck, für Musik, für liturgische Dienste, für die Verwaltung des Gebäudes, dann wird es ein Fest für alle. Und diesen Auftrag hat uns der Herr gegeben, damit wir selbst einmal Platz an seinem Tisch finden. Amen.
11.10.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler
