Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, einen „Schatz im Acker“ zu finden, verspricht große Freude. Das kann man gut nachvollziehen. Etwas zu entdecken, das man sammelt, lohnt für Sammler oft hohe Einsätze. Auch das leuchtet vielen ein – damals zur Zeit Jesu und auch heute. Freilich wissen wir auch, dass es hier nicht um eine Schatzsuche geht, wie vor einiger Zeit, als der Stausee abgelassen war und Menschen nach allerlei Versunkenem suchten. Ich kann nicht sagen, ob sie etwas Wertvolles gefunden haben. Aber ich weiß, dass unser Glaube, die Tatsache, dass wir Jesus gefunden haben, ein echter Schatz ist!
Diese Freude lohnt großen Einsatz. Und das ist ganz konkret gemeint. Ohne Einsatz findet man die Freude des Glaubens nicht. Es braucht die Treue des täglichen Gebets, die Zeit für die Sonntagsmesse und meine Mitarbeit in der kirchlichen Gemeinde. Ora et labora. Gebet und Arbeit ist hier gefragt, um den Schatz des Glaubens zu finden, zu bergen und zu bewahren.
Im kirchlichen Kalender fällt auf diesen Sonntag auch der Tag der heiligen Mutter Anna und des heiligen Joachim. Der frühere Papst Franziskus hat diesen Tag zum Tag der Großeltern erklärt. Und ich möchte das gerne aufgreifen, um auf die wertvolle Aufgabe der Großeltern hinzuweisen. In vielerlei Hinsicht unterstützen sie oft die Eltern. Und sie haben manchmal eine ganz besondere Beziehung zu den Enkelkindern. Bitte nutzen Sie diese auch für die Weitergabe des Glaubens!
Wenn wir auf die heiligen Großeltern Jesu schauen, dann zeigt uns das: Der Heiland ist nicht vom Himmel gefallen, sondern er ist in die Welt gekommen durch eine Mutter. Und diese Mutter hatte Eltern. Joachim und Anna haben „der Mutter deines menschgewordenen Sohnes das Leben geschenkt“ (vgl. Tagesgebet). Und so fällt auch der Glaube nicht vom Himmel. Immer neu müssen wir von Jesus und seiner Botschaft sprechen. Kein Kind, kein Mensch weiß das einfach so. Der Glaube kommt vom Hören, sagt der heilige Paulus. Und die Erste Lesung bestätigt das in gewisser Weise mit der wertvollen Bitte des König Salomo, der um ein „hörendes Herz“ bittet.
Liebe Großeltern, teilen Sie den Schatz Ihres Glaubens mit den Enkeln. Gehen Sie gemeinsam in die Kirche, erklären Sie den Kindern, was es hier im Gotteshaus zu sehen gibt und was wichtig ist. Beten Sie mit den Enkeln. Die Eltern stehen oft im Berufsleben, vieles wird von ihnen verlangt. Und bei all den Sorgen um das schulische Fortkommen der Kinder und Jugendlichen ist manchmal keine Kraft mehr das für das Sprechen vom Glauben. Darum haben die Großeltern hier eine wichtige Aufgabe. Sprechen Sie davon, wo Ihnen im Leben der Glaube bereits Stütze und Halt war, was für eine „Perle“ das Evangelium ist, wie sehr uns das Leben Jesu Orientierung gibt.
Und am Ende ist es doch so, dass wir selbst beschenkt werden, wenn wir den Glauben mit anderen teilen. Es gibt Menschen, die verschließen ihre Schätze in Tresore. Es gibt auch Menschen, die zeigen sie im Museum oder Ausstellungen, um ihre Freude mit anderen zu teilen. Wir haben Jesus als treuen Freund gefunden. Über diesen kostbaren Schatz dürfen wir uns freuen. Und er leuchtet umso mehr, wenn wir ihn anderen zeigen und unsere Kinder und Jugendlichen zum Herrn führen. Amen.
26.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler
