Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, alle Evangelisten erwähnen Johannes den Täufer. Er wird im Zusammenhang der Taufe Jesu im Jordan erwähnt. Aber wir hören auch, dass er eine große Zahl von Jüngern und Zuhörern hatte bei seinen Predigten. Die Tatsache, dass es zu einem Konflikt mit König Herodes kommt, der ihn schließlich hinrichten lässt, sagt uns auch etwas über die Bedeutung und den Einfluss des Johannes. Mit jemandem, den keiner kennt oder beachtet, beschäftigt man sich nicht. Der Evangelist Lukas, wir haben es gerade gehört, erzählt uns auch von der Ankündigung der Geburt und von der Namensgebung des Neugeborenen.
Erstaunlich ist, dass jemand, der selbst so viel Ansehen und Beachtung erfährt, nicht sich selbst in den Mittelpunkt rückt, sondern auf einen anderen verweist. Die Apostelgeschichte zitiert Johannes mit den Worten: „Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.“ Eine beeindruckende Demut! Die Welt ist voll von Menschen, die sagen: Ich kann es. Ich bin der Größte. Schaut auf mich… Und das hat oft gerade tragische Folgen, wenn wir an die Kriegstreiber und Despoten unserer Tage denken.
Johannes zeigt einen anderen Weg. Er will tun, was wir vom Propheten Jesaja gehört haben: Das Volk Israel beim Herrn versammeln, damit Gott seine Stärke sei. Und indem Johannes das tut, findet er seine wahre Größe. „Ich mache dich zum Licht der Nationen“, sagt der Herr. Wer sich in den Dienst Gottes stellt, verliert nichts von seiner eigenen Größe, im Gegenteil er findet sie erst. Wenn wir Menschen den Weg zu Christus zeigen und bereiten, dann werden wir nicht zurückgelassen, nein, wir alle finden uns gemeinsam ein um den Herrn. Und der Herr hat jeden von uns im Blick. Bei ihm ist jeder gesehen und geachtet. Da muss sich keiner „aufspielen“ und auf seine echten oder vermeintlichen Verdienste pochen. „Euer Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“, sagt Jesus an anderer Stelle im Evangelium. Darüber kann man nur staunen, wie es die Nachbarn und Freunde von Elisabeth und Zacharias taten, als diesen noch in hohem Alter ein Sohn geschenkt wurde.
Diese Demut ist freilich nicht leicht. Es ist eine menschlich verständliche Sorge, beachtet und gesehen zu werden. Darum feiern wir das Geburtsfest unseres Kirchenpatrons. Das ist Grund zur Freude, wie es der Name „Johannes“ sagt: „Gott ist gnädig“. Er hat die stille Treue und Demut von Elisabeth und Zacharias gesehen und beachtet. Er nimmt den mutigen Dienst und die Demut des Täufers Johannes an, um seinem Sohn den Weg zu bereiten. Darin erkennen wir unseren Auftrag als Kirche: Christus den Weg bereiten. Wo wir ihn groß machen, da ist Platz für uns alle, für unsere Hoffnungen und Sorgen. Wo wir nicht ständig von unseren Strukturen und Ansprüchen reden, sondern vom „Wort dieses Heils“, das uns in Christus gegeben ist, da wird unsere Gemeinschaft anziehend sein und Zukunft haben. Amen.
24.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler
