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Dankbarkeit lernen

Predigt von Pfarrer Daigeler zum 27. Sonntag im Jahreskreis A (Erntedank)

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, im Kalender vieler Kirchen steht heute Erntedank. Dankbarkeit ist ohne Zweifel ein wichtiges Thema. Gleichzeitig ist es aber auch schwierig. Das eben gehörte Evangelium zeigt undankbare Menschen. Ein Weinberg wurde ihnen zur Verfügung gestellt. Aber sie nehmen das als selbstverständlich. Dass man dafür eine Pacht zahlen sollte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Vielmehr ersetzen sie Recht durch Gewalt.

Wie so oft sind die Gleichnisse Jesu zeitlos. Wir sagen: „Undank ist der Welten Lohn“. Das klingt negativ, aber es nicht ganz von der Hand zu weisen. Sicher hat das verschiedene Wurzeln. Um das Gute zu sehen, muss ich meine Sinne und mein Herz schulen. Ich brauche Menschen, die mir helfen, das Wertvolle überhaupt zu sehen und die mir Formen nahebringen, wie ich meine Dankbarkeit zeigen kann. Das ist nicht angeboren. Das sind Kulturtechniken, die wir als Kinder lernen müssen und als Erwachsene bewahren und pflegen müssen.

Das andere ist die Haltung. Wir sind schnell darin zu benennen, was uns „zusteht“, was „mein Recht“ ist. Unsere Gesellschaft ist übersensibel, wenn sie irgendeine Form von Benachteiligung oder Zumutungen wahrzunehmen glaubt. Alle sind sich beispielsweise theoretisch einig, dass es Reformen braucht in unserem Land. Aber wenn das mich etwas kosten könnte, wenn Reduzierungen meiner „Ansprüche“ angedacht werden, ist der Aufschrei groß.

Erntedank fragt uns: Wie fasst du das Leben auf? Ist es Anspruch oder Gabe? Wie siehst du die Dinge, die wir zum Leben brauchen? Kannst du dich an den täglichen Dingen freuen: daran, dass wir genug zum Leben haben, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, dass wir in Frieden und Freiheit leben können…?

Nichts ist einfach da! Das anzuerkennen, heißt Dankbarkeit. Diese Haltung stiftet Zufriedenheit und Freude. Wie viel wird gejammert und geschimpft, was alles schief oder schlecht läuft… Und wer alles Mögliche falsch macht… Ich habe unlängst in einem Interview gehört: Wir brauchen eine „Melodie des Gelingens“, dass wir nicht ständig das Negativ aufpumpen, sondern das Gute sehen und stark machen.

Ein Beispiel für diese Haltung ist der heilige Franz von Assisi. Er starb heute vor genau 800 Jahren. Seine Liebe zu Jesus und zu den Menschen berührt noch heute viele. Ihm ist es gelungen die zahlreichen Spuren der Güte Gottes in seinem Leben zu sehen. Im „Sonnengesang“ fasst er das in Worte. Er, der praktisch blind ans Krankenbett gefesselt ist, singt von der Schönheit der Schöpfung, von der unfassbaren Güte Gottes, die im Tageslicht, in Wasser und Wärme, in Pflanzen und Tieren aufstrahlt… Franz singt von der Schönheit der Vergebung und er singt ein Lob auf Gott, das gebracht wird „durch jene, die Krankheit und Drangsal ertragen“.

Solche Worte erscheinen uns zunächst schwer verständlich. Erhoffen wir nicht vielmehr die Heilung und Rettung durch Medizin und Technik? Wollen wir nicht lieber protestieren gegen Schweres, als es zu ertragen? Aber Franziskus macht nicht nur Worte. Sein Glaube ist hart errungen. Gezeichnet von den Wunden, die das Leben schlägt, singt der heilige Franz – getragen von der unerschütterlichen Hoffnung auf die Güte Gottes, die größer ist, als alles, was wir sehen und begreifen. Diese Hoffnung macht uns dankbar, sie zu verkünden, ist unser Auftrag als Christen. Amen.

04.10.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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