Wer in diesen Tagen die Kirche in Hesselbach betritt, dem fällt sofort eine Veränderung ins Auge: Die vertrauten Heiligenfiguren auf dem Hochaltar sind unter violetten Tüchern verschwunden. In Hesselbach hat Monika Mauder – wie jedes Jahr mit ruhiger Hand – die Figuren verhüllt und so den Kirchenraum auf die österliche Bußzeit vorbereitet.
Warum verhüllen wir, was uns eigentlich lieb und teuer ist? Das Violett der Fastenzeit ist nicht nur liturgische Farbe, sondern bewusstes Zeichen des Verzichts. Indem wir die sichtbare Pracht des Altars bedecken, schaffen wir neue Aufmerksamkeit. Wir spüren zunächst, dass etwas anders ist. Wir fasten sozusagen „mit den Augen“. Das hilft, uns stärker auf das Wesentliche konzentrieren. Denn die Fastenzeit ist ist zugleich eine Zeit des Verzichts und eine Zeit, in der wir uns mehr Zeit nehmen für das Gebet und für das Hinhören auf Gott und auf die Nöte unserer Mitmenschen.
Die Verhüllung in unseren Kirchen erfolgt schrittweise. Während zu Aschermittwoch zunächst die Statuen und Bilder unter den violetten Stoffen verschwinden, folgt am Passionssonntag (5. Fastensonntag) auch das Kreuz. Dieser alte Brauch soll die Aufmerksamkeit für das Kreuz, das am Kreuzfreitag enthüllt wird, und die Vorfreude auf das Osterfest steigern, wenn dann unsere Kirche wieder in vollem Glanz erstrahlen.
Kommen Sie in diesen Tagen gerne in unsere Kirchen. Vielerorts finden sich auch besondere Fastentücher. Die Stille und der bewusste Verzicht auf Bilder im Kirchenraum können in einer reizüberfluteten Welt ein Geschenk sein.
Foto: Kai Söder

