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Jesus sieht den Hunger

Predigt von Pfarrer Daigeler zum 18. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, alle vier Evangelien berichten uns davon, wie Jesus das Brot segnet und 5000 Menschen werden satt. Es gibt heute verschiedene Herangehensweisen an die Wunder Jesu. Einige sehen darin lediglich Bilder, um die Person Jesu zu illustrieren. Andere betonen die Wundermacht Jesu so sehr, dass sie die menschliche Seite dieser Zeichen aus dem Blick zu verlieren drohen und Wunder mit Magie verwechseln.

Wie immer lohnt sich der Blick in den Text. Was erzählt uns der heilige Matthäus über diese Begebenheit? Zuerst berichtet der Evangelist davon, dass Jesus die Menschen und ihre Not sieht. Wer das für beiläufig hält, der irrt. Wie viel große und kleine Leiden und Sorgen gibt es, die keiner sieht. Wie oft gehen auch wir selbst achtlos an anderen oder aneinander vorbei und sehen nur unsere eigenen Nöte. Jesus sieht den Hunger – ganz konkret. Er lehrt die Menschen, er spricht ihnen seine Botschaft zu, aber weiß ebenso, dass auch der Leib Zuwendung braucht. Der christliche Glaube ist keine esoterische Weltflucht. Wir sehen den ganzen Menschen – mit Leib und Seele, mit seinen Stärken und Schwächen. Das lehrt uns Jesus.

Und dieses Gesehenwerden schafft Veränderung. Im Alten Testament gibt es eine Begebenheit, wie Mose am brennenden Dornbusch die Stimme Gottes hört. Dort sagt Gott zu ihm: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen“. Gott schwebt nicht apathisch über den Dingen. Er sieht uns und er lässt sich berühren. Woher sollten wir das mehr wissen, als durch die Menschwerdung Gottes in Jesus, seinem Sohn. Er lässt sich von der Not der Menschen berühren. Jesus ist der Weg. Er zeigt uns den Weg, die Nöte und den Hunger unserer Mitmenschen zu sehen.

Das haben offenbar auch die Jünger Jesu verstanden. Auch sie sehen den Hunger der zahlreichen Zuhörer ihres Meisters. Doch sie halten sich dafür nicht zuständig. „Schick doch die Menschen weg“, damit sie sich selbst versorgen, sagen sie zu Jesus. Und das ist nicht böse gemeint. Wie sollte ihr kleiner Proviant auch für eine solche Menge reichen? Aber die Botschaft Jesu ist unmissverständlich: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

Ohne diese Aufforderung bleibt das Wunder unverständlich. Es wäre zu kurz gegriffen, zu meinen, jeder hätte noch einmal in seine Tasche geschaut, und dann hätte es eben doch gereicht. Aber es wäre ebenso ein Missverständnis zu glauben, Jesus hätte eine Art Zauberformel gesprochen, und die Probleme und der Hunger wären einfach verschwunden. Nein. Die Gnade setzt die Natur voraus. Gottes Wirken setzt unsere menschliche Bereitschaft voraus. Wie sollte es auch anders sein? Wenn wir beispielsweise Gott um Frieden in der Welt bitten, dann wird das nicht geschehen, ohne Menschen, die miteinander Frieden schließen. Doch wir bitten Gott, dass er Gedanken des Friedens in die Herzen sät, dass er Mut schenkt, neue Schritte zu wagen, dass er Türen öffnet und Begegnungen ermöglicht…

Jesus ist die Brücke zwischen Gott und den Menschen. Er ist ganz Gott und ganz Mensch. Das sehen wir sehr schön im heutigen Evangelium. Wir sehen aber auch, was das mit uns zu tun hat. Wir sind gerufen, Mitarbeiter Gottes zu werden. Wir sollen die Welt und unsere Mitmenschen mit seinen Augen sehen. Wir müssen das geben, was in unseren Möglichkeiten und Kräften steht, um den Hunger des Leibes und der Seele zu stillen. Und dann geschehen auch heute Wunder. „Und alle aßen und wurde satt“. Und es ist sogar noch übrig. Gott schließt seine Fülle für uns auf, wenn wir unsere Herzen für ihn öffnen. Er macht selbst das Kleinste, das wir mit Glaube und Liebe geben, groß. Solche Wunder erbitten wir auch heute. Amen.

02.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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