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Große Hoffnung

Predigt von Pfarrer Daigeler zum Hochfest Mariae Himmelfahrt

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, das Universum ist unendlich groß. Aber es hat einen Anfang und es wird einmal ein Ende haben. Die Naturwissenschaftler sagen, dass das Universum ungefähr 14 Milliarden Jahre alt sei und mit dem „Urknall“ begonnen habe. Etwas vor dem „Urknall“ kennen sie nicht. In einigen Milliarden Jahren wird das Universum verlöschen und wieder ins Nichts verschwinden. Über ein „Nachher“ sprechen die Forscher nicht.

Auch jedes Menschenleben hat einen Anfang. Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt das Leben: Ein einmaliges, noch nie vorher da gewesenes, unwiederholbares Leben, das Gott ins Dasein gerufen hat. Gab es mich vorher noch nicht? Im Psalm sagt Gott: „Noch bevor du im Schoß deiner Mutter entstanden bist, habe ich dich erkannt.“ Im Herzen Gottes, in Gottes Gedanken war jeder von uns gedacht – vor meiner Zeugung, vor meiner Geburt, vor aller Zeit. Ich bin kein Zufall. Jeder Mensch ist gewollt von Gott. Ich bin gewollt und geliebt.

Ebenso ist sicher, dass ich einmal sterben werde. Meine Lebenszeit ist begrenzt. Gibt es ein „Nachher“? Oder verglüht mein Leben, wie es manche sagen, wie das Universum im Nichts? Der christliche Glaube verkündet eine andere Botschaft: Der Tod hat nicht das letzte Wort!

Und genau das feiern wir heute am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Mariae Himmelfahrt ist ein Fest der Hoffnung und der gläubigen Gewissheit: Unser Leben hat ein Ziel! Unser Leben verklingt nicht einfach im Nichts. Auf der letzten Seite der Bibel finden wir dazu eine große Verheißung. Im Buch der Offenbarung spricht Gott zum Seher Johannes: „Seht, ich mache alles neu!“ Alles, das wir jetzt sehen, das Weltall, unsere Erde, auch mein Leben wird vergehen. Und dennoch fällt es nicht ins Nichts. Johannes schreibt: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde!“

Heute sehen wir ein herausragendes Beispiel für diese „neue Schöpfung“, wenn wir auf Maria schauen. Sie ist die „Morgenröte der neuen Schöpfung“. Durch Gottes Gnade ist sie ohne Erbsünde empfangen. Wie auch immer wir Erbsünde erklären, unter ihren Folgen leiden wir alle. Die Folge der Erbschuld ist, dass der Tod für uns eine schmerzliche Trennung ist. Maria wurde vor der Erbschuld bewahrt. Darum ruft ihr Elisabet zu: „Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!“ Denn die Frucht ihres Leibes ist Jesus, der den Tod besiegen wird.

Viele Bilder der Aufnahme Mariens in den Himmel zeigen ein leeres Grab. Der Leib, der den Heiland getragen hat, hat die Verwesung nicht geschaut. Das ist die besondere Erwählung der Gottesmutter, die wir heute feiern. Und doch ist Mariae Himmelfahrt ein Fest, das alle Christen betrifft. Denn heute geht es um das Ziel unseres Lebens. Wir feiern ein Fest der Hoffnung für alle, die an Christus glauben, für alle, die in der Taufe Anteil an Christi Tod und Auferstehung erhalten haben.

Gegen alle entmutigenden Erfahrungen der Menschen, gegen das Vergessen, gegen die Nichtigkeit feiern wir die Hoffnung: Gott hält sein Versprechen, das er uns in der Taufe gegeben hat. Gott nimmt uns auf zu sich. Mariae Himmelfahrt feiert das Leben über diese Welt hinaus. Für Maria hat sich diese Hoffnung bereits erfüllt. Darum ist sie Zeugin, dass auch wir mit unserer ganzen Person, mit Leib und Seele, ja mit der ganzen Schöpfung, hineingenommen werden in das unvergängliche Leben Gottes, in seine neue Schöpfung.

Unser Glaube an das Geheimnis der leiblichen Aufnahme Maria in den Himmel ist zugleich unser Glaube an die Auferstehung Christi und damit der Glaube an unsere eigene Auferstehung. „Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“

15.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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