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Die Gabe des Glaubens in Gemeinschaft bezeugen

Predigt von Pfarrer Daigeler zum Kiliani-Sonntag 2026

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, am 8. Juli und am Sonntag zuvor feiern wir in unserer Diözese Würzburg das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Sie lebten im siebten Jahrhundert und waren Mönche. Das Tagesgebet bringt es auf den Punkt: Durch die Missionsarbeit des Heiligen Kilian und seiner Gefährten wurde der christliche Glaube im fränkischen Land grundgelegt.

Natürlich beginnt die Geschichte in gewisser Weise mit jedem Menschen neu, weil ich mich entscheiden muss, ob ich den Glauben ergreife und lebe. Gleichzeitig ist es überaus wertvoll, dass wir den Glauben nicht neu erfinden müssen. Er ist schon grundgelegt – hier im Bistum Würzburg durch die heiligen Frankenapostel, insgesamt natürlich durch den Herrn selbst, der die Apostel um sich geschart, sie gelehrt und in alle Welt gesendet hat. Ganz wie es der heilige Paulus sagt: „Einen anderen Grund kann keiner legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“.

Der katholische Glaube ist kein „Buffet“, aus dem ich mir dieses oder jenes herauspicken kann – je nach Geschmack, der Eine progressiver, der Andere traditioneller… Unser Glaube ist eine Vor-Gabe. Christus hat uns die Botschaft vom Vater im Himmel gebracht. Er hat uns den Weg gezeigt, wie wir leben sollen. Durch sein Sterben und sein Auferstehen steht uns der Himmel offen. Darum entscheidet sich, wer Christ wird, nicht für diesen oder jenen Satz, sondern es geht um die Entscheidung für Christus und seinen Weg. Mancher schreckt vielleicht zurück: Nimmt mir das nicht meine freie Wahl. Doch das Gegenteil ist wahr: Diese Entscheidung schenkt mir einen sicheren Grund, auf den bauen kann – in allen Moden und Meinungen, in den Schwankungen und Stürmen. Darum lädt uns das Kiliani-Fest ein, dass wir uns vergewissern: Stehen wir noch auf dem Grund, den die Frankenheiligen gelegt haben?

Die Lebensbeschreibung der Heiligen aus Irland hält einen zweiten, wichtigen Punkt fest. Sie betont die Gemeinschaft. Nicht einer allein hat das Missionswerk geschaffen, sondern eine Gemeinschaft von Glaubensbrüdern. Nur so konnten sie etwas bewirken, ganz wie Jesus selbst seine Jünger zu zweit ausgesandt hat, damit sie seine Botschaft verkünden.

Gemeinschaft ist etwas Herausforderndes. Man muss sich abstimmen und absprechen. Ich kann nicht nur meine Bedürfnisse und Vorstellungen ausleben. Vermutlich betont Jesus darum in den Seligpreisungen den Dienst des Friedenstiftens und lobt diejenigen, die Barmherzigkeit leben. Man kann aber als Christ nicht allein überleben. Wir brauchen die kirchliche Gemeinschaft. Wir brauchen die Weisungen und Regeln, die uns die Kirche als Hilfe gibt für die Feier des Gottesdienstes, für das christliche Leben.

Wer allein geht, der kann vielleicht schneller geht. Aber wer gemeinsam geht, der kommt weiter. Ja, der wird manchmal, wie es der Hebräerbrief sagte, durch das Öffnen für den anderen selbst beschenkt. „Vergesst die Gastfreundschaft, denn durch sie haben einige – ohne es zu wissen – Engel beherbergt“. Als Kirche sind wir eine große Familie, in der viele Platz haben, in der aber alle immer wieder aufeinander zugehen müssen.

Schließlich spricht das Buch der Weisheit vom Martyrium. Im Feuer geprüft wurde der Glaube der Frankenapostel. Ihre Opferbereitschaft ringt uns heute noch Respekt ab. Sie haben ihre Heimat verlassen, um uns die Freude zu bringen, dass wir Christus kennen. Kilian, Kolonat und Totnan haben ihr Leben geopfert für die Treue zum Herrn und zu seiner Botschaft.

Wir sehen, ohne meinen Einsatz gibt es keine Kirche. Ohne mein Engagement kann das, was grundgelegt ist, nicht weiterwachsen. Ohne meine Opferbereitschaft wird unser Tun keine Frucht bringen. Das muss nicht das Vergießen des Blutes sein, aber es ist dennoch konkret. Es braucht die Zeit, die ich für die Teilnahme am Gottesdienst gebe. Es braucht meinen Einsatz für die Belange der christlichen Gemeinde, für die Erhaltung des Gotteshauses… Es braucht meinen Mut, für den Glauben das Wort zu ergreifen in der Familie und im Freundeskreis… Das ist nicht immer leicht, aber ohne diesen Einsatz geht es nicht.

Das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan erinnert uns an den festen Grund, auf dem unser Glaube steht: Jesus Christus und sein Evangelium. Die Frankenapostel ermutigen uns, den Glauben in der kirchlichen Gemeinschaft zu leben, auch wenn uns das manchmal herausfordert. Und schließlich sehen wir am Blutzeugnis der Missionare, dass es ohne meinen persönlichen Einsatz nicht geht. Doch alles, was wir mit Glauben und Liebe geben, wird reiche Frucht bringen. Amen.

05.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler