Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, die Lesung aus dem Alten Testament erinnert uns an einen zentralen, biblischen Begriff: den Bund. Aus der Sklaverei in Ägypten befreit, erwählt Gott dieses kleine Volk Israel zu seinem besonderen Eigentum. Die ganze Welt gehört ihm. Doch diese Aussage, so wahr sie ist, kann recht abstrakt klingen. Ja, Gott ist der Schöpfer von allem, ohne seinen Willen gäbe es nichts. Das Erstaunliche ist aber, dass Gottes Allmacht nicht zu trennen ist von der Nähe, die er zu den Menschen sucht. Und nicht allgemein zu irgendeiner Menschheit, nein, zu einem konkreten Volk, zu konkreten Menschen. Darum nennt das Alte Testament Abraham, Isaak und Jakob oder auch Mose beim Namen sowie Sarah, Rahel oder Esther…
Der Bund ist etwas Greifbares, Konkretes. Gott spricht Menschen an, er schenkt ihnen Zugang zu seinem Herzen und zu seiner Botschaft. Darum ist der Bund zuerst eine Gabe Gottes, seine Initiative, sein Wirken. Freilich kann das nicht fruchtbar werden ohne eine konkrete Antwort des Menschen. Die Lesung spricht vom Hören auf die Stimme Gottes und vom Befolgen seiner Weisungen. Das meint es, den Bund zu halten und Gottes „besonderes Eigentum“ zu sein: auf Gott und seine Gebote zu hören. Das Tagesgebet fasst das in knappen Worten wunderbar zusammen: Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Auch das Evangelium nennt konkrete Namen: die Zwölf Apostel werden beim Namen genannt und gesendet. Heilend, greifbar und aufrichtend sollen sie im Namen Jesu wirken. Verkündet: „Das Himmelreich ist nahe!“ Gott lässt seine Botschaft durch Menschen ausrichten. Gott lässt sein Heil durch menschliche Hände uns berühren. Gott spricht sein befreiendes Wort mit menschlichen Lippen. Das gilt für all seine Gläubigen als unser Auftrag, als unsere Antwort auf seinen Bund. Das gilt freilich in besonderer Weise für diejenigen, die Jesus in den geistlichen Dienst ruft, damit sie im sakramentalen Priesteramt wirken. Hier ist die Ernte tatsächlich groß, doch es gibt nur wenige Arbeiter. Beten wir um Priesterberufungen, um Ordensberufungen, um kirchliche Mitarbeiter – beruflich und ehrenamtlich.
Nicht „irgendwer“ ist dafür zuständig, es braucht immer konkrete Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft, ja ihr Leben zur Verfügung stellen. Ohne diese Hingabe und Großzügigkeit geht es nicht. Wenn wir anfangen zu rechnen, wo bleibe da ich, was habe ich davon, was kriege ich dafür, dann verfehlen wir das Geschenk seines Bundes. Der heilige Paulus erinnert die Christengemeinde in Rom daran, dass Jesus sein Leben für uns verschenkt hat, noch bevor wir ihm irgendein Zeichen unserer Liebe geschenkt hätten. Er ist unser Vorbild. Nur in seiner Haltung können wir dem Vater antworten auf das Geschenk des Bundes. Wie wir in diesen Tagen beten: Jesus, „bilde unser Herz nach deinem Herzen“. Amen.
14.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler
