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Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260712_Audio_Predigt_15._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;wir leben in einer lauten Zeit. Häufig laufen Fernsehen, Radio…; oft haben wir das Smartphone in der Hand… Selten erlebt man Stille. Wenn ich mit den Schülern am Beginn der Stunde zur Ruhe kommen will für die Begrüßung, fällt das oft schwer. Und die Erwachsenen sind nicht unbedingt „besser“, auch sie können Stille manchmal schwer aushalten. Oft wird Stille als Mangel empfunden: Da fehlt etwas, da geht es nicht weiter… Ich gebe gerne zu, dass es nicht leicht ist, Stille zu entdecken als Raum, der überhaupt erst das Hören ermöglicht. Dabei ist Hören ein wichtiges Thema – in Beziehung und Partnerschaft, im Miteinander von Gruppen und Völkern, beim Lernen und Verstehen und auch im Glauben.</p><p>Die biblischen Lesungen dieses Sonntags sprechen darum vom Hören auf Gottes Wort. Was meint das, Gottes Wort? Spricht Gott? Spricht er auch zu mir? Und wie kann ich ihn hören? Beginnen wir mit dem Wort Gottes. Nach jeder Lesung aus der Bibel ruft uns der Lektor zu: „Wort des lebendigen Gottes“. Wir haben uns an diese Formel gewöhnt. Eigentlich müsste sie uns erschüttern. Das, was wir gerade gehört haben, stammt aus Gottes Mund. Nur wenn die Lesung „anstößig“ ist, wenn etwa Menschen getötet werden, dann merken wir auf. Das soll Gottes Wort sein? Aber das soll uns nicht wegführen vom Entscheidenden. Und das Entscheidende ist: Gottes Wort ist kraftvoll. So wie es uns der Prophet Jesaja in der Ersten Lesung überliefert: Das Wort, das Gottes Mund verlässt, „kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was [er] will, und erreicht all das, wozu [er] es ausgesandt“ hat. Darum verlangt das Wort Gottes zuerst Ehrfurcht. Darum können wir das Wort der Heiligen Schrift im Gottesdienst nicht durch irgendeine andere Geschichte ersetzen.</p><p>Das ist eine grundsätzliche Aussage und Zusage. Aber spricht Gott auch zu mir persönlich? Und wenn ja, wo und wie? Das gehörte Evangelium spricht von einem Sämann. Die Hörer Jesu hatten ein Bild vor Augen. Ein Mann hat einen Sack mit Samenkörnen umgebunden und streut den Samen aus. Außergewöhnlich im Gleichnis Jesu ist, dass der Sämann den Samen so verschwenderisch ausstreut. Sofort wird klar, dass es hier nicht um landwirtschaftliche Vernunft geht. Hier geht es um die Fülle. Gott spricht immer und überall: In der Schönheit seiner Schöpfung; in Menschen, die meiner Hilfe bedürfen; in Menschen, die mir beistehen; in Stille und Gebet; in der Feier unserer Gottesdienste; in der Überlieferung seiner Kirche…</p><p>Allerdings kommt Gott nicht lärmend und laut daher. Es ist ein kleines Samenkorn. Oft ist es ein unscheinbarer Auftrag. Und doch liegt im Samen die ganze Kraft Gottes, die Kraft, eine Pflanze, ja eine gute Frucht hervorzubringen.</p><p>Damit sind wir bereits bei der dritten Frage: Wie kann ich Gott hören? Das Gleichnis Jesu sagt, dass alle Menschen angesprochen sind. Gleichzeitig zeigt es aber, dass nur wenige Gottes Wort so hören, dass es in ihnen Frucht bringt. Wie kann das Wort Gott in mir reiche Frucht bringen?</p><p>Das Gleichnis spricht von unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit. Das ist meine Aufgabe, den Boden in mir zu bereiten. Das kann beispielsweise heißen, einmal alle Medien abzustellen, um still zu werden, um überhaupt hören zu können. Das kann heißen, regelmäßig im Gottesdienst und vielleicht auch daheim oder im Bibelkreis, die Heilige Schrift zu lesen, um sie durch die Vertrautheit mit dem Wort besser zu verstehen. Schließlich spricht der Apostel Paulus in der Zweiten Lesung vom Heiligen Geist. Der ist so etwas wie Sonne und Regen, die den Samen – so er auf guten Boden gefallen ist – wachsen und reifen lassen. Es braucht Gottes Hilfe und unsere Geduld.</p><p>Schauen wir dazu auf das Beispiel der Heiligen, allen voran Maria. Hier sehen wir am deutlichsten, wie es gelingt im Leben konkret auf Gottes Wort zu hören und zu antworten. Damit es auch in uns reiche Frucht bringt. Amen.</p><p>12.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73888</guid><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Die Gabe des Glaubens in Gemeinschaft bezeugen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/die-gabe-des-glaubens-in-gemeinschaft-bezeugen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum Kiliani-Sonntag 2026</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260705_Audio_Predigt_Kiliani-Sonntag_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;am 8. Juli und am Sonntag zuvor feiern wir in unserer Diözese Würzburg das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Sie lebten im siebten Jahrhundert und waren Mönche. Das Tagesgebet bringt es auf den Punkt: Durch die Missionsarbeit des Heiligen Kilian und seiner Gefährten wurde der christliche Glaube im fränkischen Land grundgelegt.</p><p>Natürlich beginnt die Geschichte in gewisser Weise mit jedem Menschen neu, weil ich mich entscheiden muss, ob ich den Glauben ergreife und lebe. Gleichzeitig ist es überaus wertvoll, dass wir den Glauben nicht neu erfinden müssen. Er ist schon grundgelegt – hier im Bistum Würzburg durch die heiligen Frankenapostel, insgesamt natürlich durch den Herrn selbst, der die Apostel um sich geschart, sie gelehrt und in alle Welt gesendet hat. Ganz wie es der heilige Paulus sagt: „Einen anderen Grund kann keiner legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“.</p><p>Der katholische Glaube ist kein „Buffet“, aus dem ich mir dieses oder jenes herauspicken kann – je nach Geschmack, der Eine progressiver, der Andere traditioneller… Unser Glaube ist eine Vor-Gabe. Christus hat uns die Botschaft vom Vater im Himmel gebracht. Er hat uns den Weg gezeigt, wie wir leben sollen. Durch sein Sterben und sein Auferstehen steht uns der Himmel offen. Darum entscheidet sich, wer Christ wird, nicht für diesen oder jenen Satz, sondern es geht um die Entscheidung für Christus und seinen Weg. Mancher schreckt vielleicht zurück: Nimmt mir das nicht meine freie Wahl. Doch das Gegenteil ist wahr: Diese Entscheidung schenkt mir einen sicheren Grund, auf den bauen kann – in allen Moden und Meinungen, in den Schwankungen und Stürmen. Darum lädt uns das Kiliani-Fest ein, dass wir uns vergewissern: Stehen wir noch auf dem Grund, den die Frankenheiligen gelegt haben?</p><p>Die Lebensbeschreibung der Heiligen aus Irland hält einen zweiten, wichtigen Punkt fest. Sie betont die Gemeinschaft. Nicht einer allein hat das Missionswerk geschaffen, sondern eine Gemeinschaft von Glaubensbrüdern. Nur so konnten sie etwas bewirken, ganz wie Jesus selbst seine Jünger zu zweit ausgesandt hat, damit sie seine Botschaft verkünden.</p><p>Gemeinschaft ist etwas Herausforderndes. Man muss sich abstimmen und absprechen. Ich kann nicht nur meine Bedürfnisse und Vorstellungen ausleben. Vermutlich betont Jesus darum in den Seligpreisungen den Dienst des Friedenstiftens und lobt diejenigen, die Barmherzigkeit leben. Man kann aber als Christ nicht allein überleben. Wir brauchen die kirchliche Gemeinschaft. Wir brauchen die Weisungen und Regeln, die uns die Kirche als Hilfe gibt für die Feier des Gottesdienstes, für das christliche Leben.</p><p>Wer allein geht, der kann vielleicht schneller geht. Aber wer gemeinsam geht, der kommt weiter. Ja, der wird manchmal, wie es der Hebräerbrief sagte, durch das Öffnen für den anderen selbst beschenkt. „Vergesst die Gastfreundschaft, denn durch sie haben einige – ohne es zu wissen – Engel beherbergt“. Als Kirche sind wir eine große Familie, in der viele Platz haben, in der aber alle immer wieder aufeinander zugehen müssen.</p><p>Schließlich spricht das Buch der Weisheit vom Martyrium. Im Feuer geprüft wurde der Glaube der Frankenapostel. Ihre Opferbereitschaft ringt uns heute noch Respekt ab. Sie haben ihre Heimat verlassen, um uns die Freude zu bringen, dass wir Christus kennen. Kilian, Kolonat und Totnan haben ihr Leben geopfert für die Treue zum Herrn und zu seiner Botschaft.</p><p>Wir sehen, ohne meinen Einsatz gibt es keine Kirche. Ohne mein Engagement kann das, was grundgelegt ist, nicht weiterwachsen. Ohne meine Opferbereitschaft wird unser Tun keine Frucht bringen. Das muss nicht das Vergießen des Blutes sein, aber es ist dennoch konkret. Es braucht die Zeit, die ich für die Teilnahme am Gottesdienst gebe. Es braucht meinen Einsatz für die Belange der christlichen Gemeinde, für die Erhaltung des Gotteshauses… Es braucht meinen Mut, für den Glauben das Wort zu ergreifen in der Familie und im Freundeskreis… Das ist nicht immer leicht, aber ohne diesen Einsatz geht es nicht.</p><p>Das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan erinnert uns an den festen Grund, auf dem unser Glaube steht: Jesus Christus und sein Evangelium. Die Frankenapostel ermutigen uns, den Glauben in der kirchlichen Gemeinschaft zu leben, auch wenn uns das manchmal herausfordert. Und schließlich sehen wir am Blutzeugnis der Missionare, dass es ohne meinen persönlichen Einsatz nicht geht. Doch alles, was wir mit Glauben und Liebe geben, wird reiche Frucht bringen. Amen.</p><p>05.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73779</guid><pubDate>Sun, 28 Jun 2026 09:45:00 +0200</pubDate><title>Der Lohn der Kleinen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/der-lohn-der-kleinen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 13. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260628_Audio_Predigt_13._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;„was habe ich davon?“ Das ist eine häufig gestellte Frage bei der Verteilung von Aufgaben – sei es ausgesprochen oder unausgesprochen. Wir haben in uns meist ein Sensorium für die Verbindung zwischen Arbeit und Lohn, zwischen verhältnismäßigem Aufwand und Ertrag… Meist haben wir eine Einschätzung, was wir für angemessen oder eben unangemessen halten. Freilich kann diese Einschätzung auch daneben liegen, oder Erwartungen können unerfüllt bleiben.</p><p>Offensichtlich kennt auch Jesus diese Kategorien. Er spricht im Evangelium davon, dass jemand, der einen Propheten aufnimmt und vermutlich bewirtet, das erwarten darf, was eben ein Prophet zu geben vermag. So weit, so logisch. Dass dieser Lohn manchmal sogar größer ist, als man erwartet hatte, erzählt uns die Erste Lesung vom Propheten Elischa, dessen fürbittendes Gebet seiner Gastgeberin Kindersegen beschert.</p><p>Nun wäre es dennoch zu wenig, die Lesungen dieses Sonntags nur dahingehend zu verstehen, dass es um angemessenen Lohn für entsprechende Leistungen geht oder um manchmal überraschende „Zugaben“ oder „Zulagen“. Jesus formuliert im Bild einer Klimax. Der Vergleich scheint sich zu steigern: der Prophet, der Gerechte. Und nun würde man jemand noch Bedeutenderen erwarten. Wer könnte das aber sein, außer der Herr selbst? Jesus spricht nun von „Kleinen“, die sich einzig dadurch auszeichnen, dass sie „seine Jünger“ sind. Und ihnen einen Becher frisches Wasser zu geben, das soll reichen Lohn einbringen. Doch – wie eingangs gefragt – was habe ich davon, einen „Kleinen“ aufzunehmen, der selbst nichts hat?</p><p>Der Evangelist Matthäus überliefert uns zuvor Worte Jesu über die radikale Nachfolge. Ziemlich harte Worte sind das. Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter – also die wichtigsten Menschen, die es im Leben gibt – „mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert“, sagt Jesus. Mildern wir das nicht vorschnell ab, als habe er das nicht so ernst gemeint. Warum sagt Jesus es dann?</p><p>Jesus spricht nicht einfach über dasselbe Familienverständnis, das unsere heutigen Vorstellungen prägt. Wir gehen heute davon aus, dass Mann und Frau in Freiheit zueinander finden, aus Liebe heiraten… Das ist etwas Kostbares. Freilich ist auch das – nüchtern betrachtet – nicht frei von eigennützigen Motiven. Natürlich erwartet sich jeder auch etwas von seinem Partner oder seiner Partnerin. Was das ist, vermag nur jeder für sich selbst zu beantworten.</p><p>Aber zur Zeit Jesu war eine Familiengründung weitaus stärker eine pragmatische Entscheidung. Rein wirtschaftlich konnte niemand allein überleben. Vater und Mutter sowie Sohn und Tochter stehen hier zunächst einmal für die wirtschaftliche und finanzielle Absicherung. Lebensnotwendig. Die Zuhörer Jesu haben das verstanden. Und hier setzt Jesus an. Die Bindung an ihn, sagt er, gibt eine weitaus größere Sicherheit als diese lebensnotwendigen Absicherungen.</p><p>Doch das muss ich erst glauben können. So fordert uns dieser Sonntag heraus, nachzudenken: Was gibt mir Sicherheit? Glaube ich, dass Christus mir mehr Sicherheit gibt als alle Versicherungen, Medikamente, Immobilien etc. dieser Welt? Habe ich den Mut, etwas von mir zu geben für die Sache Jesu, für die Kirche, für die „Kleinen“, die bedürftigen Freunde Jesu im Wissen, dass ich tatsächlich „etwas davon habe“ – nämlich den Lohn, den Jesus seinen Jüngern verheißen hat. Amen.</p><p>28.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73742</guid><pubDate>Wed, 24 Jun 2026 20:00:00 +0200</pubDate><title>Demut und wahre Größe</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/demut-und-wahre-groesse/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum Geburtsfest Johannes des Täufers</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260624_Audio_Predigt_Johanni_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;alle Evangelisten erwähnen Johannes den Täufer. Er wird im Zusammenhang der Taufe Jesu im Jordan erwähnt. Aber wir hören auch, dass er eine große Zahl von Jüngern und Zuhörern hatte bei seinen Predigten. Die Tatsache, dass es zu einem Konflikt mit König Herodes kommt, der ihn schließlich hinrichten lässt, sagt uns auch etwas über die Bedeutung und den Einfluss des Johannes. Mit jemandem, den keiner kennt oder beachtet, beschäftigt man sich nicht. Der Evangelist Lukas, wir haben es gerade gehört, erzählt uns auch von der Ankündigung der Geburt und von der Namensgebung des Neugeborenen.</p><p>Erstaunlich ist, dass jemand, der selbst so viel Ansehen und Beachtung erfährt, nicht sich selbst in den Mittelpunkt rückt, sondern auf einen anderen verweist. Die Apostelgeschichte zitiert Johannes mit den Worten: „Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.“ Eine beeindruckende Demut! Die Welt ist voll von Menschen, die sagen: Ich kann es. Ich bin der Größte. Schaut auf mich… Und das hat oft gerade tragische Folgen, wenn wir an die Kriegstreiber und Despoten unserer Tage denken.</p><p>Johannes zeigt einen anderen Weg. Er will tun, was wir vom Propheten Jesaja gehört haben: Das Volk Israel beim Herrn versammeln, damit Gott seine Stärke sei. Und indem Johannes das tut, findet er seine wahre Größe. „Ich mache dich zum Licht der Nationen“, sagt der Herr. Wer sich in den Dienst Gottes stellt, verliert nichts von seiner eigenen Größe, im Gegenteil er findet sie erst. Wenn wir Menschen den Weg zu Christus zeigen und bereiten, dann werden wir nicht zurückgelassen, nein, wir alle finden uns gemeinsam ein um den Herrn. Und der Herr hat jeden von uns im Blick. Bei ihm ist jeder gesehen und geachtet. Da muss sich keiner „aufspielen“ und auf seine echten oder vermeintlichen Verdienste pochen. „Euer Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“, sagt Jesus an anderer Stelle im Evangelium. Darüber kann man nur staunen, wie es die Nachbarn und Freunde von Elisabeth und Zacharias taten, als diesen noch in hohem Alter ein Sohn geschenkt wurde.</p><p>Diese Demut ist freilich nicht leicht. Es ist eine menschlich verständliche Sorge, beachtet und gesehen zu werden. Darum feiern wir das Geburtsfest unseres Kirchenpatrons. Das ist Grund zur Freude, wie es der Name „Johannes“ sagt: „Gott ist gnädig“. Er hat die stille Treue und Demut von Elisabeth und Zacharias gesehen und beachtet. Er nimmt den mutigen Dienst und die Demut des Täufers Johannes an, um seinem Sohn den Weg zu bereiten. Darin erkennen wir unseren Auftrag als Kirche: Christus den Weg bereiten. Wo wir ihn groß machen, da ist Platz für uns alle, für unsere Hoffnungen und Sorgen. Wo wir nicht ständig von unseren Strukturen und Ansprüchen reden, sondern vom „Wort dieses Heils“, das uns in Christus gegeben ist, da wird unsere Gemeinschaft anziehend sein und Zukunft haben. Amen.</p><p>24.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73414</guid><pubDate>Sun, 21 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Zeugnis geben für Jesus</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/zeugnis-geben-fuer-jesus/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 12. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260621_Audio_Predigt_12._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;für eine erstaunliche Aufmerksamkeit sorgte nach dem Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntagabend, dass einige Spieler – wie es Felix Nmecha ausdrückte – „einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht“ haben. Ich habe mich nicht näher mit der Konfession oder Lebensauffassung dieses Fußballspielers und seiner Kameraden beschäftigt, aber diese erfrischende Selbstverständlichkeit, dass man „einfach“ miteinander ein kleines Gebet spricht, fand ich erfreulich.</p><p>Natürlich wurden verschiedene Ansichten geäußert: Darf man das? Ist das die richtige Form? Werden alle Religionen von den Medien gleich behandelt? … Darauf will ich gar nicht eingehen. Ich will darüber nachdenken im Blick auf die eben gehörten Worte aus dem Munde Jesu. Er sagt: „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht…“ und weiter: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen“.</p><p>Glaube und Bekenntnis gehören zusammen. Im Sinn des Evangeliums ist Glaube kein privates „Gefühl“. Es geht um die Suche nach dem Grund meines Lebens und dem Grund aller Dinge. „Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, sprechen wir Sonntag für Sonntag im Credo. Und vielleicht weil wir es schon so oft gesprochen haben, ist uns der Umfang dieser Worte nicht immer gewahr. Denn wenn Gott der Schöpfer und Urgrund aller Dinge ist, dann hat er auch mit allem in meinem Leben zu tun. Hier im Gottesdienst, aber ebenso in meiner täglichen Arbeit, in der Kirche und ebenso in meinem Zuhause… Zugegeben, ein hoher Anspruch. Aber drunter macht es Jesus nicht. Gleichzeitig sagt er uns zu, wenn du diese Entscheidung getroffen hast, dann brauchst du dich nicht mehr zu fürchten – vor keiner Bedrohung und keiner Macht dieser Welt.</p><p>Der heilige Paulus begründet uns das theologisch. In der Zweiten Lesung haben wir gehört, wie der Apostel davon spricht, dass die „Herrschaft des Todes“ gebrochen ist für alle, die an Christus glauben. Die Zeilen aus dem Römerbrief sind anspruchsvoll. Im Kern geht es um die Frohe Botschaft, dass Jesus an unsere Stelle getreten ist und die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen hat. Er ist meinen Tod gestorben am Kreuz. Darum ist alles anders, wenn ich ihm glaube. Ich bin nie allein, nicht einmal in der dunkelsten Stunde des Sterbens. Ich falle nicht ins Nichts, sondern darf mich vom Herr führen lassen in die Auferstehung. Das meint es, wenn wir sagen: Jesus ist der Herr!</p><p>Wenige, doch gewichtige Worte. Sie wollen uns die Menschenfurcht und die anderen Ängste nehmen, die uns bedrängen. Bereits der Prophet Jeremia erzählt uns, wie er diese Befreiung am eigenen Leib erfahren hat. Er hat Zeugnis gegeben für Gott und die Weisungen Gottes. Dafür will man ihn zu Fall bringen. Man drängt ihn aus der Gemeinschaft und wirft ihn in eine Grube, wo man hofft, dass er verendet. „Doch der Herr stand mir bei“, rief er uns in der Ersten Lesung zu. Jeremia macht die Erfahrung, dass Gott ihn nicht im Stich lässt, er ist bei ihm selbst in der „Grube“.</p><p>Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken. Wir dürfen davon Zeugnis geben – nicht „besserwisserisch“ oder überheblich, nein, bescheiden, aber doch fröhlich und frei. Das hat mir an der eingangs erzählten Begebenheit gefallen. Eigentlich ist das gar nicht so kompliziert. Vielleicht ein Kreuzzeichen, bevor ich esse – auch in der Öffentlichkeit; vielleicht ein Innehalten, wenn die Glocken zum Gebet rufen; vielleicht der Sonntagsmesse den Vorrang geben in der Planung, auch wenn viele Einladungen an mich herangetragen werden… „Fürchtet euch nicht“! Amen.</p><p>21.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73316</guid><pubDate>Sun, 14 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Antwort auf Gottes Bund </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/antwort-auf-gottes-bund/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 11. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260614_Audio_Predigt_11._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;die Lesung aus dem Alten Testament erinnert uns an einen zentralen, biblischen Begriff: den Bund. Aus der Sklaverei in Ägypten befreit, erwählt Gott dieses kleine Volk Israel zu seinem besonderen Eigentum. Die ganze Welt gehört ihm. Doch diese Aussage, so wahr sie ist, kann recht abstrakt klingen. Ja, Gott ist der Schöpfer von allem, ohne seinen Willen gäbe es nichts. Das Erstaunliche ist aber, dass Gottes Allmacht nicht zu trennen ist von der Nähe, die er zu den Menschen sucht. Und nicht allgemein zu irgendeiner Menschheit, nein, zu einem konkreten Volk, zu konkreten Menschen. Darum nennt das Alte Testament Abraham, Isaak und Jakob oder auch Mose beim Namen sowie Sarah, Rahel oder Esther…</p><p>Der Bund ist etwas Greifbares, Konkretes. Gott spricht Menschen an, er schenkt ihnen Zugang zu seinem Herzen und zu seiner Botschaft. Darum ist der Bund zuerst eine Gabe Gottes, seine Initiative, sein Wirken. Freilich kann das nicht fruchtbar werden ohne eine konkrete Antwort des Menschen. Die Lesung spricht vom Hören auf die Stimme Gottes und vom Befolgen seiner Weisungen. Das meint es, den Bund zu halten und Gottes „besonderes Eigentum“ zu sein: auf Gott und seine Gebote zu hören.&nbsp;Das Tagesgebet fasst das in knappen Worten wunderbar zusammen: Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.&nbsp;</p><p>Auch das Evangelium nennt konkrete Namen: die Zwölf Apostel werden beim Namen genannt und gesendet. Heilend, greifbar und aufrichtend sollen sie im Namen Jesu wirken. Verkündet: „Das Himmelreich ist nahe!“ Gott lässt seine Botschaft durch Menschen ausrichten. Gott lässt sein Heil durch menschliche Hände uns berühren. Gott spricht sein befreiendes Wort mit menschlichen Lippen. Das gilt für all seine Gläubigen als unser Auftrag, als unsere Antwort auf seinen Bund. Das gilt freilich in besonderer Weise für diejenigen, die Jesus in den geistlichen Dienst ruft, damit sie im sakramentalen Priesteramt wirken. Hier ist die Ernte tatsächlich groß, doch es gibt nur wenige Arbeiter. Beten wir um Priesterberufungen, um Ordensberufungen, um kirchliche Mitarbeiter – beruflich und ehrenamtlich.</p><p>Nicht „irgendwer“ ist dafür zuständig, es braucht immer konkrete Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft, ja ihr Leben zur Verfügung stellen. Ohne diese Hingabe und Großzügigkeit geht es nicht. Wenn wir anfangen zu rechnen, wo bleibe da ich, was habe ich davon, was kriege ich dafür, dann verfehlen wir das Geschenk seines Bundes. Der heilige Paulus erinnert die Christengemeinde in Rom daran, dass Jesus sein Leben für uns verschenkt hat, noch bevor wir ihm irgendein Zeichen unserer Liebe geschenkt hätten. Er ist unser Vorbild. Nur in seiner Haltung können wir dem Vater antworten auf das Geschenk des Bundes. Wie wir in diesen Tagen beten: Jesus, „bilde unser Herz nach deinem Herzen“.&nbsp;Amen.</p><p>14.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73319</guid><pubDate>Sun, 07 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Klare Worte</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/klare-worte/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 10. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260607_Audio_Predigt_10._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;Wesentliches wird meist in wenigen Worten ausgedrückt. Eine Abmachung zum Beispiel: Ich sage zu, dass ich da bin und helfe. Ein klares Wort genügt. Oder auch der Trost: Ich sage, dass ich da bin und höre zu. Ein aufmerksames Wort genügt. So ist es auch heute im Evangelium. Im Leben des Zöllners Matthäus geschieht etwas Unerhörtes. Alles ändert sich von Grund auf. Und dafür genügen drei Worte Jesu: „Folge mir nach.“</p><p>Es beeindruckt mich immer neu, wie in so wenigen Worten so Wesentliches überliefert ist. Jesus geht auf denjenigen zu, von dem es die Umstehenden am wenigsten erwartet hätten. Selbst die Freunde Jesu haben damit wohl nicht gerechnet. Einen Außenseiter, einen Kollaborateur mit der römischen Besatzungsmacht, einen Zöllner, ihn ruft Jesus in den engsten Kreis der Zwölf. Erstaunlich.</p><p>„Da stand Matthäus auf und folgte ihm“, hieß es schlicht, doch inhaltsreich im Evangelium. In mehrfacher Hinsicht laden diese Worte uns ein, über unser Leben und unsere religiöse Praxis nachzudenken.</p><p>Zunächst einmal geht es um die Menge der Worte. Es gibt auch im religiösen Bereich die Versuchung, viele Worte zu machen. Weniger ist mehr. Wenn ich von Erscheinungen oder von Mystikern höre, die Hunderte von Seiten mit ihren Botschaften füllen, bin ich skeptisch, weil ich an die schlichten und knappen Worte des Evangeliums denke. Umso wichtiger ist, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren – auf die Worte und Taten Jesu, wie sie uns die Evangelisten treu überliefert haben. Obwohl es nur wenige Worte sind, reicht ein ganzes Leben nicht aus, sie zu durchdringen. Für die Vertiefung des geistlichen Lebens brauchen wir nicht so viele „Nebenschauplätze“, sondern müssen uns auf die Mitte, auf Christus und sein Wort konzentrieren.</p><p>Ein zweiter Gedanke ist das Vertrauen. Die Worte des heiligen Paulus, der über das Gottvertrauen des Abraham schreibt, fordern zu einem Sprung des Vertrauens heraus. Was hat es konkret für Matthäus bedeutet, aufzustehen und alles zurückzulassen: sein Haus, seine materielle Sicherheit, sein Umfeld…? Das war gewiss nicht leicht. Und doch hat er es gewagt, nicht weil ihm dieses oder jenes bewiesen worden wären, sondern weil er Jesus vertraut hat. So wie Abraham Gott „voll Hoffnung geglaubt“ hat, dass er Zukunft und Leben findet, wenn er Gottes Wege geht. Ohne diesen „Sprung des Glaubens“ geht es nicht. Doch der Herr ruft nicht Perfekte und Überflieger, sondern er ruft die, die bereit sind, ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen.</p><p>Schließlich ein dritter Gedanke: Die wenigen Worte des Evangeliums sind herausfordernder als eine Menge von Sätzen, weil sie die Konkretheit meines Handelns herausstellen. Viele Worte kann man leicht machen, konkret zu handeln, ist weit schwerer. Doch genau das ist gefragt. Die Nachfolge Jesu ist keine Theorie, sie ist ein Weg. Manchmal mühsam und herausfordernd, doch immer lohnend – in der Gemeinschaft seiner Freunde und mit einem großen Ziel. Ganz konkret wendet sich Matthäus ab von Gewohnheiten, die schlecht oder schädlich sind, von einer übermäßigen Konzentration auf Geld oder Besitz… Ganz konkret wendet er sich dem Herrn zu und schenkt ihm Gehör, schenkt ihm Zeit und seine Talente. Und diese Frage geht jeden von uns an: Woran merkt jemand, dass ich ein Freund Jesu, ein Christ bin – nicht in vielen Worten, sondern in konkreten Taten?</p><p>Vielleicht nehmen wir diese Frage mit in die Woche. Sie fordert uns auf, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, auf den Herrn und seine Weisung. Sie ermutigt uns, dass wir ihm ganz vertrauen. Sie führt uns dazu, dass mein Christsein konkret wird in Wort und Tat, in der Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten. Amen.</p><p>07.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73320</guid><pubDate>Thu, 04 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Wir leben von Seiner Gegenwart </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/wir-leben-von-seiner-gegenwart/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zu Fronleichnam A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260604_Audio_Predigt_Fronleichnam_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;ein guter Freund ist Pfarrer in Norwegen. Wenn ich ihn besuchen darf, dann beeindruckt mich, wie weite Wege die Katholiken dort auf sich nehmen, um an der Heiligen Messe teilzunehmen. Es ist dort nicht alles besser als bei uns. Auch lässt sich nicht alles vergleichen. Aber mich erinnert es daran, wie kostbar die gemeinsame Feier der Heiligen Messe ist. Und der Dankbarkeit für dieses große Geschenk des Herrn ist das heutige Fest geweiht.</p><p>Eben haben wir einen Abschnitt aus der „Brotrede“ gehört. Jesus predigt in der Synagoge von Kafarnaum. Und seine Worte lassen es nicht an Klarheit missen. Als Jesus vom „Brot des Lebens“ spricht, das sein eigenes Fleisch ist, hört man geradezu das Unverständnis und den Widerstand. Offen berichtet der Evangelist Johannes davon: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ „Was er sagt, ist unerträglich“… Doch Jesus beschwichtigt nicht: So ernst habe ich das nicht gemeint. Nein, er bekräftigt noch einmal: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, habt ihr das Leben nicht in euch.“</p><p>Ohne den Herrn können wir nicht leben, nicht seine Freunde sein, nicht seine Kirche sein. Hier ist das Evangelium ganz klar. Und die Kirche hat das von den Anfängen bis heute so verstanden. Natürlich war es nicht ganz einfach eine geeignete Sprache zu finden, um zu erklären, dass wir wirklich Christus selbst empfangen, wenn wir die heilige Kommunion essen. „Augen, Mund und Hände täuschen sich“, schreibt der große Thomas von Aquin. Doch wir vertrauen dem Wort Jesu: „Das ist mein Leib“. Nicht nur ein Bild, nicht nur eine Erinnerung, sondern er selbst, der ganze Christus. Dem Staunen über dieses Glaubensgeheimnis ist die Prozession und die Feierlichkeit des Fronleichnamstages gewidmet.</p><p>Fronleichnam ist ein wunderschönes Fest, doch es reicht nicht aus. Wir müssen jeden Sonntag die Heilige Messe mitfeiern, damit wir mit Christus verbunden bleiben, damit wir lebendige Glieder seines Leibes bleiben. Denn hier verkünden wir den Tod und die Auferstehung des Herrn, bis er wiederkommt. So lehrte der heilige Paulus.</p><p>Der Glaube an die Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie ist eine Vertrauenssache. Und doch ist diese Gegenwart auch an konkrete Voraussetzungen geknüpft, das kennzeichnet unsere katholische Sicht. Wir brauchen die Gaben der Erde und der menschlichen Arbeit: Brot und Wein. Wir brauchen den Priester, der auf sakramentale Weise die Gegenwart des Herrn vermittelt. Wir brauchen die Kenntnis darüber, was zu tun ist. Wir brauchen die Zeit und die Mühe, die wir aufbringen, um zur Kirche zu kommen… Und hier kommt das ins Spiel, was wir im Korintherbrief lesen, den ältesten Hinweisen im Neuen Testament zur Feier der Heiligen Messe.</p><p>„Ein Brot ist es, darum sind wir viele ein Leib“. Ganz deutlich unterstreicht der Apostel den Zusammenhang von Eucharistie und Kirche. Die Kirche lebt aus der Eucharistie. Alle Mitfeiernden müssen sich aber von der Kommunion mit dem Herrn prägen lassen und auch Kommunion untereinander haben. Jeder Katholik ist in jeder katholischen Messe willkommen. Das gilt. Gleichzeitig müssen wir uns, auch einbinden lassen in die konkrete Gemeinde des Herrn. Sonst läuft unser Glaube Gefahr, einseitig, egoistisch oder rein geistig zu werden und wäre damit nicht mehr katholisch.</p><p>Die Botschaft ist klar: Christus ist selbst gegenwärtig unter der Gestalt des Brotes in der heiligen Kommunion. Ohne diese Feier seiner Gegenwart gibt es keine Kirche. Darum ist die Sonntagsmesse so wichtig. Doch dieses Bekenntnis fordert uns heraus, dass wir uns an den Herrn und seine Gemeinde binden lassen, dass wir unsere Zeit und unsere Talente opfern, damit wir würdig sein Opfer feiern können und so das Leben haben. Amen.</p><p>04.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73318</guid><pubDate>Sun, 24 May 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Verstehen lernen </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/verstehen-lernen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zu Pfingsten</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260524_Audio_Predigt_Pfingsten_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;„du verstehst mich“. Mit diesem kurzen Satz drücken wir nicht nur eine sprachliche Herausforderung aus, wenn etwa zwei Menschen unterschiedliche Muttersprachen haben. Verstehen ist etwas Umfassenderes. Dazu gehört nicht nur die Kenntnis von Worten, es gehört auch das Interesse am anderen dazu, Wohlwollen, Sympathie, ja die Absicht, den anderen überhaupt verstehen zu wollen. Sonst reden Menschen oft aneinander vorbei.</p><p>Auf den ersten Seiten der Bibel geht es um grundlegende Fragen nach dem Warum. Warum gibt es die Welt und den Menschen? Warum gibt es Gut und Böse? Und auch, warum sind Menschen unterschiedlich und verstehen sich manchmal nicht? Die Erzählung vom Turmbau zu Babel geht dieser Frage nach. Wer die Geschichte liest, hört, dass hier Menschen „sich einen Namen machen“ wollen. Sie wollen sich und ihrer eigenen Bedeutsamkeit mit dem Turm ein Denkmal setzen. Das führt zur Konkurrenz, die sich in einer Sprachverwirrung äußert. Die Menschen, die einander bis dahin verstanden hatten, verstehen sich nun nicht mehr. Und daran scheitert das gesamte Projekt.</p><p>Die Erste Lesung, die wir am Pfingstfest hören, ist gewissermaßen eine Entgegnung dazu. Auch hier ist von unterschiedlichen Menschen die Rede. Sie sprechen verschiedene Sprachen, einige zählt die Apostelgeschichte namentlich auf. Doch plötzlich kommt es dazu, dass alle Menschen – Fremde wie Einheimische – die Worte der Apostel verstehen. Sie verstehen nicht nur ihre Worte. Sie verstehen, was sie in den Herzen der Zuhörer bewegen wollen. Anders ausgedrückt, sie glauben ihnen.</p><p>Die Zweite Lesung nennt uns die Ursache dafür. Sie werden vermutlich schon antworten können: Das war der Heilige Geist. Das stimmt. Der heilige Paulus präzisiert das aber noch etwas. Während in Babel sich die Menschen selbst in die höchsten Höhen erheben wollten, bewirkt der Geist, dass wir bekennen: „Jesus ist der Herr!“ Und wo Menschen das bekennen, verstehen sie einander. Sie verstehen, dass sie alle zu einer Familie gehören, zur Familie Gottes, zur Kirche. Darum ist Pfingsten in gewisser Weise das Geburtsfest unserer Kirche. „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen“, schreibt der Apostel.</p><p>Das ist ein großes Geschenk. Bei aller Unterschiedlichkeit, die wir mit uns bringen: Männer und Frauen, Junge und Alte, verschiedene Berufe und Lebensformen… Der Geist Gottes führt uns zusammen zu der einen Kirche Christi. Und das Fundament dieser Einheit ist das eine Bekenntnis: Jesus ist der Herr! Er ist der Sohn Gottes. Er ist für uns gestorben und er ist auferstanden von den Toten, wie uns die Jünger im Evangelium bezeugen. In ihm finden wir die Vergebung unserer Sünden.</p><p>Heute wird viel geklagt über Spaltungen in der Gesellschaft, über ein wachsendes Gegeneinander, darüber, dass Menschen nicht mehr miteinander reden und einander nicht mehr verstehen. Umso wichtiger ist das Gebet um den Heiligen Geist, der uns Verstehen lehrt, der uns zusammenführt. Und das ist nicht nur eine Theorie. In unserer weltweiten Kirche wird es konkret. Bei aller Unterschiedlichkeit haben wir im Gottesdienst unserer Kirche eine gemeinsame Form, wie wir beten. Darum ist die kirchliche Ordnung so wichtig, darum sind die Weisungen der Kirche meinen privaten Frömmigkeitsformen vorzuziehen. Und im Mitleben und Mitarbeiten in der Kirche wird uns konkrete Gemeinschaft geschenkt. Darum ist es so wichtig, dass wir aufeinander zugehen und achten in unserer Gemeinde, dass wir sehen, wo einer krank oder in Not ist. Damit er oder sie sagen kann: „Du verstehst mich“. Dann ist der Heilige Geist gar nichts „Theoretisches“, sondern ganz konkret fassbar. Amen.</p><p>24.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>