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Sonntag im Jahreskreis A (Erntedank)</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20261004_Audio_Predigt_27._Sonntag_im_Jahreskreis_A_-_Erntedank_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;im Kalender vieler Kirchen steht heute Erntedank. Dankbarkeit ist ohne Zweifel ein wichtiges Thema. Gleichzeitig ist es aber auch schwierig. Das eben gehörte Evangelium zeigt undankbare Menschen. Ein Weinberg wurde ihnen zur Verfügung gestellt. Aber sie nehmen das als selbstverständlich. Dass man dafür eine Pacht zahlen sollte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Vielmehr ersetzen sie Recht durch Gewalt.</p><p>Wie so oft sind die Gleichnisse Jesu zeitlos. Wir sagen: „Undank ist der Welten Lohn“. Das klingt negativ, aber es nicht ganz von der Hand zu weisen. Sicher hat das verschiedene Wurzeln. Um das Gute zu sehen, muss ich meine Sinne und mein Herz schulen. Ich brauche Menschen, die mir helfen, das Wertvolle überhaupt zu sehen und die mir Formen nahebringen, wie ich meine Dankbarkeit zeigen kann. Das ist nicht angeboren. Das sind Kulturtechniken, die wir als Kinder lernen müssen und als Erwachsene bewahren und pflegen müssen.</p><p>Das andere ist die Haltung. Wir sind schnell darin zu benennen, was uns „zusteht“, was „mein Recht“ ist. Unsere Gesellschaft ist übersensibel, wenn sie irgendeine Form von Benachteiligung oder Zumutungen wahrzunehmen glaubt. Alle sind sich beispielsweise theoretisch einig, dass es Reformen braucht in unserem Land. Aber wenn das mich etwas kosten könnte, wenn Reduzierungen meiner „Ansprüche“ angedacht werden, ist der Aufschrei groß.</p><p>Erntedank fragt uns: Wie fasst du das Leben auf? Ist es Anspruch oder Gabe? Wie siehst du die Dinge, die wir zum Leben brauchen? Kannst du dich an den täglichen Dingen freuen: daran, dass wir genug zum Leben haben, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, dass wir in Frieden und Freiheit leben können…?</p><p>Nichts ist einfach da! Das anzuerkennen, heißt Dankbarkeit. Diese Haltung stiftet Zufriedenheit und Freude. Wie viel wird gejammert und geschimpft, was alles schief oder schlecht läuft… Und wer alles Mögliche falsch macht… Ich habe unlängst in einem Interview gehört: Wir brauchen eine „Melodie des Gelingens“, dass wir nicht ständig das Negativ aufpumpen, sondern das Gute sehen und stark machen.</p><p>Ein Beispiel für diese Haltung ist der heilige Franz von Assisi. Er starb heute vor genau 800 Jahren. Seine Liebe zu Jesus und zu den Menschen berührt noch heute viele. Ihm ist es gelungen die zahlreichen Spuren der Güte Gottes in seinem Leben zu sehen. Im „Sonnengesang“ fasst er das in Worte. Er, der praktisch blind ans Krankenbett gefesselt ist, singt von der Schönheit der Schöpfung, von der unfassbaren Güte Gottes, die im Tageslicht, in Wasser und Wärme, in Pflanzen und Tieren aufstrahlt… Franz singt von der Schönheit der Vergebung und er singt ein Lob auf Gott, das gebracht wird „durch jene, die Krankheit und Drangsal ertragen“.</p><p>Solche Worte erscheinen uns zunächst schwer verständlich. Erhoffen wir nicht vielmehr die Heilung und Rettung durch Medizin und Technik? Wollen wir nicht lieber protestieren gegen Schweres, als es zu ertragen? Aber Franziskus macht nicht nur Worte. Sein Glaube ist hart errungen. Gezeichnet von den Wunden, die das Leben schlägt, singt der heilige Franz – getragen von der unerschütterlichen Hoffnung auf die Güte Gottes, die größer ist, als alles, was wir sehen und begreifen. Diese Hoffnung macht uns dankbar, sie zu verkünden, ist unser Auftrag als Christen. Amen.</p><p>04.10.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-75166</guid><pubDate>Sun, 20 Sep 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Was jeder braucht</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/was-jeder-braucht/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 25. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260920_Audio_Predigt_25._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;Gerechtigkeit ist eine wertvolle Tugend. Aus Erfahrung wissen wir, nur wenn ein gewisses Maß an Gerechtigkeit herrscht, herrscht auch Frieden zwischen Menschen und Gruppen. Diese Tugend setzt sich zusammen aus einem natürlichen Empfinden und aus vermittelten Werten. Wir haben sozusagen ein Gespür, was gerecht ist oder was wir als gerecht empfinden. Und wir haben durch Erziehung, durch Überzeugungen und unseren Glauben eine Art Koordinatensystem, mit dem wir Handlungen als gerecht oder ungerecht einordnen.</p><p>Diese Faktoren sorgen dafür, dass sich unser Gerechtigkeitsempfinden im Laufe eines Lebens oder in bestimmten Situationen verändert. Kinder haben z.B. manchmal ein „übersteigertes“ Gerechtigkeitsempfinden. Ein Geschwisterkind bekommt etwas, dann fordert das andere Kind ein: Das will ich auch haben. An diesem Beispiel kann man sehen: Die Gleichbehandlung ist ein wichtiger Grundsatz. Nicht nur für Kinder. Gleichzeitig braucht es aber auch den Blick dafür, was der Einzelne in seiner Situation benötigt. Es kann eben sein, dass ein Kind – in einer Zeit der Krankheit oder in einer Prüfungsphase – tatsächlich mehr Aufmerksamkeit und Begleitung braucht. Das ist nicht einfach für die anderen Geschwister, aber es ist nicht „ungerecht“.</p><p>Gerechtigkeit schwebt ja nicht im luftleeren Raum, sondern sie ist eine Tugend, also sie verwirklicht sich in der konkreten Anwendung. Ich habe das an Kindern versucht zu verdeutlichen, aber man könnte es über unsere Gesellschaft ebenso sagen. Wir diskutieren häufig über das, was „die anderen“ bekommen oder zu viel bekommen… Und es fällt uns schwer zu sehen, was jeder bedarf. Und viele können offenbar nicht sehen, dass man eigentlich froh sein muss, wenn man keine staatliche oder sonstige Hilfe braucht, sondern selbständig sein Leben meistern kann.</p><p>Das heutige Gleichnis Jesu löst bei Zuhörern meist sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen sagen: Das ist ungerecht, wenn man den gleichen Lohn für eine oder zehn Stunden Arbeit bekommt. Die anderen sagen: Das ist tröstlich, wenn beim Herrgott auch die Arbeiter der letzten Stunde Hoffnung haben dürfen, das zu bekommen, was sie zum Leben brauchen. Denn genau das ist der „eine Denar“: das, was man für einen Tag zum Leben braucht. Kein Überschuss, kein Luxus, nur das, was ich heute brauche.</p><p>Die Spannung des Gleichnisses lässt sich nicht auflösen. Jesus wusste, dass er mit seinen Worten auch provoziert. So sind sie ein Impuls zum Weiterdenken und zur Gewissenerforschung:</p><p>Wo gibt es eine Spannung zwischen meinem Gerechtigkeits-Empfinden und der tatsächlichen Gerechtigkeit? Sehe ich, was der andere und was ich tatsächlich brauche für den heutigen Tag? Oder was ich einfach „auch haben“ will? Nehme ich die Einladung des Herrn, in seinem Weinberg mitzuarbeiten, an oder verzögere ich sie?</p><p>Und schließlich tröstet mich das Gleichnis: Gottes Gerechtigkeit und Güte sind nicht voneinander zu trennen. „Er ist groß im Verzeihen“, hieß es in der Erste Lesung. Das ist keine Bequemlichkeit, sondern umso mehr seine Anziehungskraft: „Sucht den Herrn, er lässt sich finden!“. Amen.</p><p>20.09.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-75052</guid><pubDate>Sun, 13 Sep 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Vergebung - die höchste Freiheit</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/vergebung-die-hoechste-freiheit/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 24. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260913_Audio_Predigt_24._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;wenn man Reden, social media oder Gespräche verfolgt, dann ist häufig zu hören, was andere falsch gemacht haben oder machen. Manchmal zurückhaltend, oft in gereiztem Ton. Hinzu kommen Ansprüche, die erhoben werden: Was mir „zusteht“ – nach so und so vielen Jahren Arbeit, als Bürger dieses Landes, bei diesen oder jenen Beschwerden und Schwierigkeiten… Menschen in medizinischen Notdiensten, Mandatsträger, Mitarbeiter in Behörden oder bei Beförderungsunternehmen können ein Lied davon singen…</p><p>Wenn wir das heutige Evangelium hören, dann müssen wir festhalten: Die Worte Jesu stehen im Gegensatz zu den verbreiteten Haltungen und Handlungen. Ziemlich herausfordernd ist das Evangelium, indem Jesus schließlich sagt, dass Gott mich nur aufnehmen wird, wenn ich meinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergebe.</p><p>Es gibt Stellen in der Heiligen Schrift, die schwer verständlich sind. Das kann man über die heutigen Schrifttexte nicht sagen. Sie sind klar. „Groll und Zorn sind ein Gräuel“ und nur „ein sündiger Mensch hält an ihnen fest“. Der Ruf zur Vergebungsbereitschaft war in der Lesung aus dem Alten Testament klar und ist es auch im Evangelium. Und das wird nicht an irgendwelche Kautelen geknüpft: Wenn dein Nächster dies oder das macht, wenn er so oder so spricht oder handelt, dann sollst du ihm vergeben. Nein, nur wer dem Nächsten vergibt, darf auf die Vergebung der eigenen Sünden hoffen, darf auf Heilung durch den Herrn hoffen.</p><p>Eigentlich sprechen wir diesen Zusammenhang täglich im Vaterunser aus. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Und doch fragen wir wie Petrus: Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? Wie weit muss meine Geduld gehen? Kaum eine Frage im Evangelium beantwortet Jesus so eindeutig wie diese. Er gibt seinen Jüngern auf, immer neu zu vergeben.</p><p>Oft werden die Gebote der Kirche diskutiert. Manche meinen diese oder jene Regel sei zu streng. Ich meine, das Gebot Jesu, das wir heute hören, ist das Schwerste. Im Vergleich dazu ist es einfach, am Freitag zu fasten, am Sonntag in die Kirche zu gehen oder das Eigentum des Nächsten zu achten. Auch das ist nicht leicht. Bitte nicht missverstehen. Und es ist wichtig. Aber wirklich zu vergeben, ist schwer. Wie viel Unversöhntes gibt es manchmal zwischen Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern oder in unseren Gemeinden zwischen Nachbarn und Familien. Oft wird das über Jahre mitgeschleppt und weitergegeben. Keiner findet einen Ausweg.</p><p>Dabei ist der einzige Ausweg die Vergebung. Sie ist der höchste Akt der Freiheit. Denn sie sagt: Ich lasse mich nicht bestimmen von diesem falschen Wort, von dieser Tat oder jener Verletzung. Ich entscheide: Das lasse ich nicht über mich bestimmen. Und diese Entscheidung ist nicht zu trennen von der Vergebung, die ich gewähre.</p><p>Vergebung ist nicht naiv. Vergebung heißt nicht zu sagen: Alles nicht so schlimm… Alles ist in Ordnung… Nein, Unrecht bleibt Unrecht. Und es muss beim Namen genannt werden, um vergeben zu werden. Doch Jesus erinnert daran: Wir sind alle vergebungsbedürftig. Es hilft nicht, auf „Ansprüche“ zu pochen: „Der muss zuerst…“ Nein, wir alle müssen um Vergebung bitten und Vergebung gewähren. Nie sind wir Gott so nahe, wie in dem Moment, in dem wir einem anderen von Herzen vergeben. Denn dieses Handeln ist göttlich. Davon leben wir. Davon lebt der andere. Das ist der neue Weg, den Jesus uns weist. Amen.</p><p>13.09.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-75020</guid><pubDate>Fri, 11 Sep 2026 19:30:00 +0200</pubDate><title>Neue Wege suchen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/neue-wege-suchen/</link><description>Seliger Liborius Wagner – 400 Jahre Pfarrer von Altenmünster</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260911_Audio_Predigt_400_Jahre_Liborius_Wagner_Pfarrer_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;ich gebe offen zu: Bevor ich Pfarrer in Stadtlauringen wurde, wusste ich nicht viel über den seligen Liborius Wagner. Klar, den Namen hatte ich schon gehört. Ein paar Dinge aus seiner Leidensgeschichte wusste ich. Aber wirklich befasst mit ihm, habe ich mich erst, als ich als Pfarrer in gewisser Weise einer seiner Nachfolger wurde.</p><p>Ich kann darum ein wenig die Menschen verstehen, denen Liborius Wagner unbekannt oder gar fremd ist. Sicher ist die Herangehensweise auch unterschiedlich – je nachdem in welchem Umfeld oder in welcher Konfession man groß geworden ist. Dennoch möchte ich den Versuch wagen, zwei Impulse aus seinem Leben aufzuzeigen, die uns allen als Christgläubige etwas zu sagen haben.</p><p><strong>Mut, einen neuen Weg zu suchen</strong></p><p>Geboren 1593 in Mühlhausen wächst der junge Liborius im lutherischen Bekenntnis auf. Die wenigen Zeugnisse aus seiner Schulzeit belegen, dass ihm das evangelische Bekenntnis, wie er es von seinen Eltern kennenlernte, wichtig war. Er hat die Möglichkeit, in Gotha, Leipzig und Straßburg zu studieren. Doch es folgt eine Krise. Nach dem erfolgreichen Studienabschluss kehrt Liborius nach Mühlhausen zurück. Seine Bewerbung für die Stelle eines Lehrers wird abgelehnt. Vielleicht ist er überqualifiziert. Vielleicht sind es andere Gründe. Wir wissen es nicht. Dennoch können wir uns vorstellen, dass diese Ablehnung ihn tief getroffen hat. Wie soll nun sein weiterer Weg aussehen?</p><p>Über die drei folgenden Jahre, die er wieder in seinem Elternhaus verbringt, wissen wir nahezu nichts. Wir wissen nur, dass er sich danach auf den Weg nach Würzburg macht. Und allein das Ziel dieser Reise ist eine Entscheidung für einen neuen Weg. In der damaligen konfessionellen Aufteilung Deutschlands kann man das nicht anders deuten.</p><p>Ja, als katholischer Christ fällt es mir leichter, die Richtung dieses Weges mitzuvollziehen. Aber im Kern geht es ja nicht um einen anderen Glauben. Liborius findet für sich einen Weg, den Glauben an Christus in einer – für ihn – neuen Form zu leben. Und das ist eine hochaktuelle Aufgabe.</p><p>Es liegt auf der Hand, dass wir den Glauben nicht mehr einfach in den Gebäuden und Formen unserer Vorfahren weiterführen können. Auch wenn sich jetzt bei dem einen oder anderen innerer Widerstand regt. Wenn wir ehrlich die Zahlen der Menschen anschauen, die wir – ob evangelisch oder katholisch – erreichen, wenn wir ehrlich den Altersdurchschnitt der Gläubigen in unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen betrachten, dann ist eindeutig: So kann es nicht weitergehen. Mit welchen Kräften wollen wir in einem Ort wie Altenmünster zwei – früher sogar drei – Kirchen pflegen und erhalten? Und wer wird sich in ihnen zum Gebet versammeln?</p><p>Es ist eine Krise, in der wir uns befinden. Über die müssen wir wie der junge Liborius geistlich nachdenken. Und es ist uns aufgegeben, einen neuen Weg zu finden, wie wir den einen Glauben leben können.</p><p><strong>Auf dem Platz bleiben, auf den ich gestellt bin</strong></p><p>Die Aufgabe ist mir sehr wichtig. Sie soll aber nicht zur Panik oder zur Resignation führen. Auch dafür kann uns der selige Liborius ein Beispiel sein.</p><p>Am 11. September 1626, also heute vor 400 Jahren, ernannte ihn der Würzburger Bischof zum Pfarrer von Altenmünster. Nach den damaligen Regeln war Wagner damit für sämtliche Bewohner des Ortes zuständig, wenn es um Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen ging. Ihn als Pfarrer einzusetzen, war das Recht des Würzburger Bischofs. Die weltliche Herrschaft hatte Philipp Albrecht Truchseß zu Wetzhausen inne, deshalb war und ist Altenmünster mehrheitlich evangelisch.</p><p>Ob man „bewusst“ einen Konvertiten als Pfarrer in den Ort sandte, darüber spekulieren die Historiker. Wenn es so gewesen sein sollte, könnten die Motive auch unterschiedlich gedeutet werden. Dachte man daran, dass er die Protestanten aus seiner eigenen Biographie heraus besser verstehen würde, oder dachte man daran, dass er als Konvertit, andere zum Übertritt bewegen würde. Wir wissen es nicht.</p><p>Mich beeindruckt, dass Wagner in Treue seinen Dienst tut. Er war kein außergewöhnlicher Pfarrer. Er stand vor den „normalen“ Aufgaben, Menschen zu taufen und zu beerdigen, das Evangelium zu verkünden, die Messe zu feiern, das Kirchengebäude einigermaßen instand zu halten… Und all diese Aufgaben erfüllte er in der Zerrissenheit seiner Zeit zwischen den Anforderungen seiner weltlichen und geistlichen Vorgesetzten. Er war Pfarrer inmitten von Menschen, von denen einige seine Überzeugungen teilten, einige sie ablehnten und vermutlich einige gleichgültig für all das waren. Vielleicht gar nicht so unähnlich unserer Zeit.</p><p>Und Liborius Wagner bleibt auf seinem Posten. Darin ist er uns ein Vorbild. Nicht davonlaufen, nicht resignieren, nicht von einer Welt oder Kirche träumen, die es gar nicht mehr oder gar nicht gibt. Sondern täglich seinen Dienst tun, das Wesentliche tun.</p><p>Und was ist dieses Wesentliche? Es ist etwas, indem wir uns als Christen einig sind oder einig sein sollten: Das Evangelium leben und verkünden. Diese Botschaft kann Hoffnung bringen in jede Zeit und Situation. Dafür sind wir auf den Namen Christi getauft, damit wir seine Zeugen sind in Wort und Tat.</p><p>Sicher wäre es naiv, Unterschiede, die es nun einmal zwischen den Konfessionen gibt, zu leugnen. Doch der Herr selbst hat darum gebetet, dass seine Jünger eins seien, „damit die Welt glaube“. Am Martyrium von Liborius Wagner sehen wir beispielhaft, wohin die Zerrissenheit der Christenheit führen kann. Umso mehr ist es uns aufgegeben, nach neuen Wegen zu suchen, den einen Glauben zu leben, und treu zu bleiben in unserem Dienst. Amen.</p><p>11.09.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74914</guid><pubDate>Sun, 06 Sep 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Damit Gemeinschaft gelingt</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/damit-gemeinschaft-gelingt/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 23. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260906_Audio_Predigt_23._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;Glaube und Gemeinschaft gehören zusammen. Jesus beruft Menschen, dass sie sich für ihn entscheiden. Diese Entscheidung ist untrennbar mit der Aufnahme in die Gemeinschaft der Freunde Jesu verbunden, die wir die Kirche nennen. Alleine kann man Jesus nicht nachfolgen. Wir brauchen Unterstützung und Wegweisung.</p><p>Gleichzeitig weiß jeder von uns, der mit anderen Menschen zusammenlebt oder zusammenarbeitet, dass Gemeinschaft auch herausfordernd ist. Es ist nicht einfach, wenn manchmal der eine langsamer oder schneller ist, Geduld füreinander zu haben. Auch hat jeder seine Eigenheiten und Eigenschaften, die natürlich eine wertvolle Ergänzung sind, manchmal zur Erheiterung beitragen, aber eben immer wieder auch anstrengend zu ertragen sein können.</p><p>Jesus weiß darum. Und im heutigen Evangelium finden wir so etwas wir eine „Gemeinderegel“. Es liegt auf der Hand, dass es in jeder Familie, Gruppe oder Vereinigung Regeln braucht. Was machen wir und was machen wir eben nicht… In der Theorie werden dem wohl die meisten Menschen zustimmen. Konkret wird es dort, wo sich einer nicht an die Regeln hält. Wie geht man damit um? Übersieht man das höflich? Schimpft man ihn? Zerbricht die Gemeinschaft daran?</p><p>Diesen Fragen geht schon die Erste Lesung nach. Und im Evangelium konkretisiert es Jesus. Er spricht über die notwendige Sorge füreinander. Natürlich dürfen wir nicht kleinlich oder pedantisch sein, aber der Hinweis auf geltende Regeln kommt aus der Sorge, dass keiner verloren geht, sagt Jesus. Wir tragen Sorge, dass alle einen guten Weg finden. Wir tragen Sorge, dass die Gemeinschaft beieinanderbleibt.</p><p>Der Auftrag Jesu ist ziemlich klar: Zunächst unter vier Augen etwas ansprechen, dann mit Hilfe eines Begleiters oder Seelsorgers. Schwierig ist heute meist der Bezugspunkt für Regeln. Wir leben in einer von Individualismus geprägten Zeit. Das, was mir einleuchtet oder sinnvoll erscheint, bin ich bereit einzuhalten. Eine Regel, nur weil sie gesetzt ist, scheint nicht jedem verbindlich. Das könnte man an verschiedenen moralischen Fragen darstellen.</p><p>Glücklicherweise schenkt uns der Glaube hier Klarheit. Die Zweite Lesung erinnert an die Zehn Gebote. Sie schützen das Leben, das Eigentum, die Treue, die Wahrhaftigkeit… Damit sind wir beim zentralen Kriterium. Wir erinnern als Christen an Regeln, nicht nur weil sie irgendwo stehen. Wir vertrauen darauf, dass Gott sie uns geschenkt hat, damit das Leben gut wird. Wir vertrauen, dass Gott uns in seinem Sohn Jesus den Weg gezeigt hat, wie er will, dass wir leben. Wir verstehen die Regeln also von ihrem Ziel her, von ihrer Absicht her.</p><p>Und hier stellt sich für mein Handeln immer die Frage: Dient mein Verhalten der Gemeinschaft? Fördert es die Gemeinschaft mit Gott und mit seinen Freunden? Das ist eigentlich ein ziemlich einfaches und zugleich konkretes Kriterium. Und doch fällt es uns nicht immer leicht. Wir haben Angst, dass wir zu kurz kommen könnten, dass wir benachteiligt werden, wenn meine Vorstellungen nicht – möglichst umfassend – umgesetzt werden. Aber hier setzt der Glaube ein. Jesus sagt, nur wer sich verschenkt, gewinnt das Leben. Nur wer sich zum Diener der Gemeinschaft macht, bringt bleibende Früchte.</p><p>Ich sehe unseren Gottesdienst als eine Art „Labor“ dafür. Wir üben hier ein, dass wir gemeinsam vor Gott stehen, dass wir nur gemeinsam das Ziel erreichen. Machen wir vielleicht mal eine konkrete Übung: Wenn wir beten und singen, hören wir mehr aufeinander. Dass wir eine gemeinsame Haltung einnehmen, dass wir die gleichen Worte sprechen, dass wir uns annähern im gemeinsamen Tempo zu singen und zu sprechen, ist nicht nur etwas Äußerliches. Es ist eine echte geistliche Übung. Denn was „zwei einmütig“ erbitten, wird der Vater uns gewähren. Amen.</p><p>06.09.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74630</guid><pubDate>Sun, 16 Aug 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>&quot;Frau, dein Glaube ist groß&quot;</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/frau-dein-glaube-ist-gross/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 20. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260816_Audio_Predigt_20._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;am gestrigen Fest Mariae Himmelfahrt war auch die Rede davon, dass Maria durch Gottes Gnade vor der Erbschuld bewahrt wurde. Das klingt vermutlich für viele Ohren wie eine Rede theologischer Fachleute, für andere klingt es nach einer veralteten Wortwahl oder Lehre. „Erbsünde“, wer spricht denn noch von so etwas?</p><p>Dieser Begriff beschreibt aber keineswegs etwas Abstraktes. Es geht um eine Wirklichkeit, die alle Menschen betrifft, die wir alle sehr konkret erfahren oder erleiden. Was ist gemeint? Wir sehen, dass die Welt und unser Leben so viel Gutes und Schönes enthält. Jeder hat Fähigkeit und Talente. Und der Schöpfer hat uns mit seiner Schöpfung Raum und Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben. Gleichzeitig bemerken wir in unserem Herzen immer wieder auch eine Neigung zum Bösen. Da gibt es zum Beispiel Schadenfreude oder Neid. Wenn ein anderer Erfolg hat, dann freuen sich seine Nachbarn keineswegs immer mit ihm. Oft gibt es Neid und Missgunst. Manchmal gibt es das vielleicht auch in meinem Herzen. Oder eine andere Erfahrung: Negative Nachrichten stoßen auf vielmehr Aufmerksamkeit als positive. Davon leben Medien und „social media“. Und so bekräftigen sich Menschen oft gegenseitig im Jammern und Schimpfen über die „Zustände“, über die „Unfähigkeit“ der anderen, besonders der Verantwortungsträger…</p><p>Diese Neigung ist Folge der Erbsünde. Die gute Schöpfung Gottes ist verwundet. Und das birgt die Gefahr, dass Menschen dadurch blind werden für das Gute und Schöne in der Welt und in ihrem Leben.</p><p>Ein wenig könnte man den Eindruck gewinnen, dass es im Evangelium ähnlich ist. Jesus ist zwar frei von Erbsünde und persönlicher Sünde, aber irgendwie scheint er doch von den Erwartungen und Vorstellungen seines Volkes Israel geprägt zu sein. So misslingt zunächst das Gespräch mit der kanaanäischen Frau, also einer Ausländerin. Der tiefe Glaube dieser Frau wird nicht gewürdigt, er wird vielmehr auf die Probe gestellt. Vermutlich hätten sich viele an dieser Stelle abgewandt, wenn Jesus von Kindern und Hunden spricht… Aber der Glaube dieser Frau ist wahrhaft groß. So bleibt sie unbeirrt. Sie lässt nicht nach in ihrem Fürbittgebet für ihre kranke Tochter.</p><p>Das muss schließlich selbst Jesus anerkennen: „Frau, dein Glaube ist groß“. Und das ist eine wichtige Botschaft für uns, die bereits in der Ersten Lesung anklang. Im Buch Jesaja war die Rede davon, dass bei Gott alle angesehen und willkommen sind, die seinen Namen lieben und seinen Weisungen folgen, den Sabbat heiligen und die Gebote halten. Und das gilt für alle Menschen, egal wo sie herkommen oder wie sie aussehen oder in welche Kategorie, wir sie einordnen.</p><p>Jesus nimmt uns sozusagen als Lehrmeister mit. Wir dürfen uns nicht ständig auf das Negative fixieren, das Misslungene „aufpumpen“, das Böse verstärken… Das Licht des Glaubens und die Gnade der Taufe wollen uns aus dem Netz der Erbsünde herausführen, damit wir das viele Gute sehen, das oft klein oder verborgen geschieht, damit wir dankbar bleiben für die Zeichen der Güte Gottes. Wir sollen lernen, uns mit am Gelungenen zu freuen. Und beim allem, was misslingt oder was uns widrig ist, sollen wir helfen, dass es sich bessert, oder wenigstens beten anstatt zu jammern.</p><p>„Frau, dein Glaube ist groß“, mit diesen Worten lädt Jesus uns zu einem Perspektivwechsel ein. Das ist eine große Chance, wie der christliche Glaube tatsächlich die Welt verändern kann – beginnend in kleinen Schritten. Amen.</p><p>16.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74624</guid><pubDate>Sat, 15 Aug 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Große Hoffnung</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/grosse-hoffnung/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum Hochfest Mariae Himmelfahrt</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260815_Audio_Predigt_Mariae_Himmelfahrt_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;das Universum ist unendlich groß. Aber es hat einen Anfang und es wird einmal ein Ende haben. Die Naturwissenschaftler sagen, dass das Universum ungefähr 14 Milliarden Jahre alt sei und mit dem „Urknall“ begonnen habe. Etwas vor dem „Urknall“ kennen sie nicht. In einigen Milliarden Jahren wird das Universum verlöschen und wieder ins Nichts verschwinden. Über ein „Nachher“ sprechen die Forscher nicht.</p><p>Auch jedes Menschenleben hat einen Anfang. Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt das Leben: Ein einmaliges, noch nie vorher da gewesenes, unwiederholbares Leben, das Gott ins Dasein gerufen hat. Gab es mich vorher noch nicht? Im Psalm sagt Gott: „Noch bevor du im Schoß deiner Mutter entstanden bist, habe ich dich erkannt.“ Im Herzen Gottes, in Gottes Gedanken war jeder von uns gedacht – vor meiner Zeugung, vor meiner Geburt, vor aller Zeit. Ich bin kein Zufall. Jeder Mensch ist gewollt von Gott. Ich bin gewollt und geliebt.</p><p>Ebenso ist sicher, dass ich einmal sterben werde. Meine Lebenszeit ist begrenzt. Gibt es ein „Nachher“? Oder verglüht mein Leben, wie es manche sagen, wie das Universum im Nichts? Der christliche Glaube verkündet eine andere Botschaft: Der Tod hat nicht das letzte Wort!</p><p>Und genau das feiern wir heute am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Mariae Himmelfahrt ist ein Fest der Hoffnung und der gläubigen Gewissheit: Unser Leben hat ein Ziel! Unser Leben verklingt nicht einfach im Nichts. Auf der letzten Seite der Bibel finden wir dazu eine große Verheißung. Im Buch der Offenbarung spricht Gott zum Seher Johannes: „Seht, ich mache alles neu!“ Alles, das wir jetzt sehen, das Weltall, unsere Erde, auch mein Leben wird vergehen. Und dennoch fällt es nicht ins Nichts. Johannes schreibt: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde!“</p><p>Heute sehen wir ein herausragendes Beispiel für diese „neue Schöpfung“, wenn wir auf Maria schauen. Sie ist die „Morgenröte der neuen Schöpfung“. Durch Gottes Gnade ist sie ohne Erbsünde empfangen. Wie auch immer wir Erbsünde erklären, unter ihren Folgen leiden wir alle. Die Folge der Erbschuld ist, dass der Tod für uns eine schmerzliche Trennung ist. Maria wurde vor der Erbschuld bewahrt. Darum ruft ihr Elisabet zu: „Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!“ Denn die Frucht ihres Leibes ist Jesus, der den Tod besiegen wird.</p><p>Viele Bilder der Aufnahme Mariens in den Himmel zeigen ein leeres Grab. Der Leib, der den Heiland getragen hat, hat die Verwesung nicht geschaut. Das ist die besondere Erwählung der Gottesmutter, die wir heute feiern. Und doch ist Mariae Himmelfahrt ein Fest, das alle Christen betrifft. Denn heute geht es um das Ziel unseres Lebens. Wir feiern ein Fest der Hoffnung für alle, die an Christus glauben, für alle, die in der Taufe Anteil an Christi Tod und Auferstehung erhalten haben.</p><p>Gegen alle entmutigenden Erfahrungen der Menschen, gegen das Vergessen, gegen die Nichtigkeit feiern wir die Hoffnung: Gott hält sein Versprechen, das er uns in der Taufe gegeben hat. Gott nimmt uns auf zu sich. Mariae Himmelfahrt feiert das Leben über diese Welt hinaus. Für Maria hat sich diese Hoffnung bereits erfüllt. Darum ist sie Zeugin, dass auch wir mit unserer ganzen Person, mit Leib und Seele, ja mit der ganzen Schöpfung, hineingenommen werden in das unvergängliche Leben Gottes, in seine neue Schöpfung.</p><p>Unser Glaube an das Geheimnis der leiblichen Aufnahme Maria in den Himmel ist zugleich unser Glaube an die Auferstehung Christi und damit der Glaube an unsere eigene Auferstehung. „Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“</p><p>15.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74565</guid><pubDate>Sun, 09 Aug 2026 09:30:00 +0200</pubDate><title>In Hoffnung und Herausforderung</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/in-hoffnung-und-herausforderung/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 19. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260809_Audio_Predigt_19._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;mich berührt in der Heiligen Schrift immer neu die Ehrlichkeit, mit der Höhen und Tiefen benannt werden. Höhen und Tiefen des Lebens, Stärken und Schwächen des Menschen begegnen uns im Wort Gottes. Und wie sollte es auch anders sein. Gott spricht sein Wort zu konkreten Menschen – mitten hinein in ihre Hoffnungen und Herausforderungen.</p><p>So begegnet uns in der wunderbaren Ersten Lesung der Prophet Elija. Für die Sache Gottes hatte er sich eingesetzt. Offen war er auf dem Berg Karmel den Baalspriestern und ihrem vergeblichen Kult entgegengetreten. Die Schrift berichtet geradezu von einem Wettstreit: Wessen Opfer wird angenommen? Wessen Gebet wird erhört? Elija verspottet die Baalspriester, die vergeblich um ein Zeichen von oben rufen. Ob ihr Gott schwerhörig sei oder ob er vielleicht schlafe, fragt Elija sein Gegenüber. Wer sich in der Heiligen Schrift auskennt, weiß, dass Gott das Opfer des Elija mit Feuer angenommen hat. Die Sache scheint entschieden. Alles klar. Elija und die wenigen Getreuen haben sich durchgesetzt.</p><p>Doch um den eben gehörten Abschnitt zu verstehen, muss man wissen, dass die Geschichte anders weiterging. König und Königin, die herrschende Mehrheit zeigt sich keineswegs überzeugt durch dieses göttliche Zeichen. Vielmehr trachten sie nun Elija nach dem Leben, und der muss in die Wüste fliehen. Hatte Gott, der sich eben noch in Zeichen und Wundern offenbart hatte, ihn verlassen? Versteckt in einer Höhle fällt dem Propheten sogar das Beten schwer.</p><p>Das Evangelium berichtet uns von einer ähnlichen Situation. Nach der Speisung der 5000, von der wir am letzten Sonntag gehört haben, nach diesem eindrucksvollen Wunder Jesu, geraten seine Freude in einen Seesturm. Das Fischerboot droht zu kentern. Sie schreien um ihr Leben.</p><p>Geht es uns nicht manchmal ebenso? Wir kennen Momente der Freude und der Zuversicht, in denen wir die Nähe Gottes geradezu greifen können. Die lassen sich aber nicht einfach konservieren oder festhalten. Und wir kennen auch Momente, wo uns Gott fern erscheint, wo wir vielleicht sogar an seiner Macht und Güte zweifeln, wo es uns schwerfällt, zu ihm zu beten. Wenn wir nochmals in die Heilige Schrift blicken, dann tröstet uns, dass es selbst den Propheten und Aposteln nicht anders ging als uns.</p><p>Entscheidend ist – wie so oft – die Treue, das Durchhalten. In aller Not und Verzweiflung hört Elija nicht auf, nach Gottes Spuren Ausschau zu halten. Nicht groß oder laut, nicht in Feuer oder Sturm tritt Gott in sein Leben, sondern in einem „leisen Säuseln“. Nur wer aufmerksam hinhört, kann es bemerken. Es ist derselbe Ruf, den Jesus seinen verängstigten Freunden im Boot zuspricht: „Habt Vertrauen; ich bin es; fürchtet euch nicht!“</p><p>Den Freunden Jesu bleiben die Stürme nicht erspart. Doch wir wissen um den Wert der Treue, um den Lohn des ausdauernden und täglichen Hinhörens. Die leise Stimme Gottes sagt uns seine Nähe zu. Das ist der Trost für unseren Weg: Wer glaubt, ist nie allein! Amen.</p><p>09.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74463</guid><pubDate>Sun, 02 Aug 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Jesus sieht den Hunger</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/jesus-sieht-den-hunger/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 18. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260802_Audio_Predigt_18._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;alle vier Evangelien berichten uns davon, wie Jesus das Brot segnet und 5000 Menschen werden satt. Es gibt heute verschiedene Herangehensweisen an die Wunder Jesu. Einige sehen darin lediglich Bilder, um die Person Jesu zu illustrieren. Andere betonen die Wundermacht Jesu so sehr, dass sie die menschliche Seite dieser Zeichen aus dem Blick zu verlieren drohen und Wunder mit Magie verwechseln.</p><p>Wie immer lohnt sich der Blick in den Text. Was erzählt uns der heilige Matthäus über diese Begebenheit? Zuerst berichtet der Evangelist davon, dass Jesus die Menschen und ihre Not sieht. Wer das für beiläufig hält, der irrt. Wie viel große und kleine Leiden und Sorgen gibt es, die keiner sieht. Wie oft gehen auch wir selbst achtlos an anderen oder aneinander vorbei und sehen nur unsere eigenen Nöte. Jesus sieht den Hunger – ganz konkret. Er lehrt die Menschen, er spricht ihnen seine Botschaft zu, aber weiß ebenso, dass auch der Leib Zuwendung braucht. Der christliche Glaube ist keine esoterische Weltflucht. Wir sehen den ganzen Menschen – mit Leib und Seele, mit seinen Stärken und Schwächen. Das lehrt uns Jesus.</p><p>Und dieses Gesehenwerden schafft Veränderung. Im Alten Testament gibt es eine Begebenheit, wie Mose am brennenden Dornbusch die Stimme Gottes hört. Dort sagt Gott zu ihm: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen“. Gott schwebt nicht apathisch über den Dingen. Er sieht uns und er lässt sich berühren. Woher sollten wir das mehr wissen, als durch die Menschwerdung Gottes in Jesus, seinem Sohn. Er lässt sich von der Not der Menschen berühren. Jesus ist der Weg. Er zeigt uns den Weg, die Nöte und den Hunger unserer Mitmenschen zu sehen.</p><p>Das haben offenbar auch die Jünger Jesu verstanden. Auch sie sehen den Hunger der zahlreichen Zuhörer ihres Meisters. Doch sie halten sich dafür nicht zuständig. „Schick doch die Menschen weg“, damit sie sich selbst versorgen, sagen sie zu Jesus. Und das ist nicht böse gemeint. Wie sollte ihr kleiner Proviant auch für eine solche Menge reichen? Aber die Botschaft Jesu ist unmissverständlich: „Gebt ihr ihnen zu essen!“</p><p>Ohne diese Aufforderung bleibt das Wunder unverständlich. Es wäre zu kurz gegriffen, zu meinen, jeder hätte noch einmal in seine Tasche geschaut, und dann hätte es eben doch gereicht. Aber es wäre ebenso ein Missverständnis zu glauben, Jesus hätte eine Art Zauberformel gesprochen, und die Probleme und der Hunger wären einfach verschwunden. Nein. Die Gnade setzt die Natur voraus. Gottes Wirken setzt unsere menschliche Bereitschaft voraus. Wie sollte es auch anders sein? Wenn wir beispielsweise Gott um Frieden in der Welt bitten, dann wird das nicht geschehen, ohne Menschen, die miteinander Frieden schließen. Doch wir bitten Gott, dass er Gedanken des Friedens in die Herzen sät, dass er Mut schenkt, neue Schritte zu wagen, dass er Türen öffnet und Begegnungen ermöglicht…</p><p>Jesus ist die Brücke zwischen Gott und den Menschen. Er ist ganz Gott und ganz Mensch. Das sehen wir sehr schön im heutigen Evangelium. Wir sehen aber auch, was das mit uns zu tun hat. Wir sind gerufen, Mitarbeiter Gottes zu werden. Wir sollen die Welt und unsere Mitmenschen mit seinen Augen sehen. Wir müssen das geben, was in unseren Möglichkeiten und Kräften steht, um den Hunger des Leibes und der Seele zu stillen. Und dann geschehen auch heute Wunder. „Und alle aßen und wurde satt“. Und es ist sogar noch übrig. Gott schließt seine Fülle für uns auf, wenn wir unsere Herzen für ihn öffnen. Er macht selbst das Kleinste, das wir mit Glaube und Liebe geben, groß. Solche Wunder erbitten wir auch heute. Amen.</p><p>02.08.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74298</guid><pubDate>Sun, 26 Jul 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Der Schatz unseres Glaubens</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/der-schatz-unseres-glaubens/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 17. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260726_Audio_Predigt_17._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;einen „Schatz im Acker“ zu finden, verspricht große Freude. Das kann man gut nachvollziehen. Etwas zu entdecken, das man sammelt, lohnt für Sammler oft hohe Einsätze. Auch das leuchtet vielen ein – damals zur Zeit Jesu und auch heute. Freilich wissen wir auch, dass es hier nicht um eine Schatzsuche geht, wie vor einiger Zeit, als der Stausee abgelassen war und Menschen nach allerlei Versunkenem suchten. Ich kann nicht sagen, ob sie etwas Wertvolles gefunden haben. Aber ich weiß, dass unser Glaube, die Tatsache, dass wir Jesus gefunden haben, ein echter Schatz ist!</p><p>Diese Freude lohnt großen Einsatz. Und das ist ganz konkret gemeint. Ohne Einsatz findet man die Freude des Glaubens nicht. Es braucht die Treue des täglichen Gebets, die Zeit für die Sonntagsmesse und meine Mitarbeit in der kirchlichen Gemeinde. Ora et labora. Gebet und Arbeit ist hier gefragt, um den Schatz des Glaubens zu finden, zu bergen und zu bewahren.</p><p>Im kirchlichen Kalender fällt auf diesen Sonntag auch der Tag der heiligen Mutter Anna und des heiligen Joachim. Der frühere Papst Franziskus hat diesen Tag zum Tag der Großeltern erklärt. Und ich möchte das gerne aufgreifen, um auf die wertvolle Aufgabe der Großeltern hinzuweisen. In vielerlei Hinsicht unterstützen sie oft die Eltern. Und sie haben manchmal eine ganz besondere Beziehung zu den Enkelkindern. Bitte nutzen Sie diese auch für die Weitergabe des Glaubens!</p><p>Wenn wir auf die heiligen Großeltern Jesu schauen, dann zeigt uns das: Der Heiland ist nicht vom Himmel gefallen, sondern er ist in die Welt gekommen durch eine Mutter. Und diese Mutter hatte Eltern. Joachim und Anna haben „der Mutter deines menschgewordenen Sohnes das Leben geschenkt“ (vgl. Tagesgebet). Und so fällt auch der Glaube nicht vom Himmel. Immer neu müssen wir von Jesus und seiner Botschaft sprechen. Kein Kind, kein Mensch weiß das einfach so. Der Glaube kommt vom Hören, sagt der heilige Paulus. Und die Erste Lesung bestätigt das in gewisser Weise mit der wertvollen Bitte des König Salomo, der um ein „hörendes Herz“ bittet.</p><p>Liebe Großeltern, teilen Sie den Schatz Ihres Glaubens mit den Enkeln. Gehen Sie gemeinsam in die Kirche, erklären Sie den Kindern, was es hier im Gotteshaus zu sehen gibt und was wichtig ist. Beten Sie mit den Enkeln. Die Eltern stehen oft im Berufsleben, vieles wird von ihnen verlangt. Und bei all den Sorgen um das schulische Fortkommen der Kinder und Jugendlichen ist manchmal keine Kraft mehr das für das Sprechen vom Glauben. Darum haben die Großeltern hier eine wichtige Aufgabe. Sprechen Sie davon, wo Ihnen im Leben der Glaube bereits Stütze und Halt war, was für eine „Perle“ das Evangelium ist, wie sehr uns das Leben Jesu Orientierung gibt.</p><p>Und am Ende ist es doch so, dass wir selbst beschenkt werden, wenn wir den Glauben mit anderen teilen. Es gibt Menschen, die verschließen ihre Schätze in Tresore. Es gibt auch Menschen, die zeigen sie im Museum oder Ausstellungen, um ihre Freude mit anderen zu teilen. Wir haben Jesus als treuen Freund gefunden. Über diesen kostbaren Schatz dürfen wir uns freuen. Und er leuchtet umso mehr, wenn wir ihn anderen zeigen und unsere Kinder und Jugendlichen zum Herrn führen. Amen.</p><p>26.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74180</guid><pubDate>Sun, 19 Jul 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Geduldiges Wachsen und Reifen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/geduldiges-wachsen-und-reifen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 16. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260719_Audio_Predigt_16._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;„Geduld“, wenn man nur dieses Wort sagt, löst das in vielen Menschen Nachdenken aus. Wir bewundern Menschen, die mit Geduld ein schweres Los tragen. Wir kennen vielleicht in uns selbst Ungeduld, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns gedacht oder gewünscht hätten. Geduld ist eine Tugend – doch sie ist nicht leicht.</p><p>Das Buch der Weisheit legte uns eben Zeilen der Bewunderung für Gottes Macht und Stärke vor. Doch diese Macht und Stärke zeigen sich besonders in seiner Nachsicht und Milde, so die Erste Lesung. Beim ersten Hören klingt das wie ein Widerspruch. Ist unsere Welt nicht voll von Männern, die sagen: Ich bin der Größte, der Stärkste… Ich weiß, wo es lang geht. Nicht abwarten, dreinschlagen…</p><p>Und es gibt nicht nur dieses Phänomen. Insgesamt kommt es mir so vor, dass unsere Gesellschaft äußerst ungeduldig ist. Dass politische Entscheidungsprozesse meist ein mühsames Ringen bedeuten, leuchtet immer weniger Menschen ein. Warum machen die da oben „nichts“? Oder vielmehr warum die nicht das, was ich mir erwarte? Oder die neuerliche Diskussion um den Sonntagsschutz zeugt von Ungeduld. Viele halten es kaum aus, wenn an einem Tag der Woche Ruhe herrschen soll und nicht alle Geschäfte offen sein sollen… Oder am Anfang und Ende des Lebens. Früher war den Menschen die Unverfügbarkeit klar: Ein Kind kommt dann auf die Welt, wenn es so weit ist. Und ein Mensch stirbt, wenn seine Stunde gekommen ist. Ungeduldig will der Mensch heute in diese Prozesse eingreifen – in der Meinung, es besser zu können oder zu wissen.</p><p>Jesus lehrt seine Jünger im Evangelium zuerst Geduld. Der Samen muss wachsen und reifen. Es nutzt nichts, an ihm zu ziehen oder zu zerren. Und es gibt kein Wachsen ohne Herausforderungen. Auch Unkraut wächst mit dem Weizen. „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“, sagt der Herr. Wir merken, Geduld entsteht aus dem Abschied von Allmachtsphantasien. Darum ist der Glaube ein so kostbares Gut. Er erinnert uns daran: Du hast nicht selbst alles geschaffen. Dein Leben ist Gabe Gottes. Das Wachsen gelingt nicht ohne seine Hilfe, nicht ohne Sonnenschein und Regen… Letztlich müssen wir staunen über das Wunder des Lebens. Unverfügbar ist jedes Menschenleben – in seinem Entstehen und in seinem Sterben. Daran wollen wir als Christen festhalten.</p><p>Freilich bedeutet Geduld nicht Untätigkeit. Jesus verbindet mit dem Gleichnis vom Unkraut im Weizen auch noch zwei kurze Gleichnisse. Er spricht vom Senfkorn, aus dem ein mächtiger Baum wächst. Und vom Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert. Der Glaube erinnert uns nicht nur an die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens. Er spricht auch davon, welche Kräfte das Gottvertrauen freizusetzen vermag. Ja, wir müssen das Unsere tun – das, was in meiner Kraft steht, um das Leben gut zu machen. Doch wir dürfen immer vertrauen, dass Gottes Segen unser kleines Bemühen groß macht. Er lässt wachsen und reifen. Und so wird aus einem kleinen Anfang, der mit glaubender Zuversicht gesät wurde, ein großes Werk. So viele Heilige bezeugen uns das mit ihren Missions- oder Hilfswerken, die sie im Kleinen begonnen haben und aus denen Großes geworden ist. Sollte es in unserem Leben anders sein?</p><p>Bitten wir den Herrn um die Gabe der Geduld, um die Achtsamkeit für das Wachsen und Werden und für die Zeit, die es dafür braucht. Gehen wir aber auch mit großem Gottvertrauen unseren Weg, dass der „Geist sich unserer Schwachheit annimmt“, dass mein Leben und Wirken – wenn es mit Gottvertrauen begonnen wird – reiche Frucht bringen wird. Amen.</p><p>19.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74029</guid><pubDate>Sun, 12 Jul 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Hören lernen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/hoeren-lernen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 15. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260712_Audio_Predigt_15._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;wir leben in einer lauten Zeit. Häufig laufen Fernsehen, Radio…; oft haben wir das Smartphone in der Hand… Selten erlebt man Stille. Wenn ich mit den Schülern am Beginn der Stunde zur Ruhe kommen will für die Begrüßung, fällt das oft schwer. Und die Erwachsenen sind nicht unbedingt „besser“, auch sie können Stille manchmal schwer aushalten. Oft wird Stille als Mangel empfunden: Da fehlt etwas, da geht es nicht weiter… Ich gebe gerne zu, dass es nicht leicht ist, Stille zu entdecken als Raum, der überhaupt erst das Hören ermöglicht. Dabei ist Hören ein wichtiges Thema – in Beziehung und Partnerschaft, im Miteinander von Gruppen und Völkern, beim Lernen und Verstehen und auch im Glauben.</p><p>Die biblischen Lesungen dieses Sonntags sprechen darum vom Hören auf Gottes Wort. Was meint das, Gottes Wort? Spricht Gott? Spricht er auch zu mir? Und wie kann ich ihn hören? Beginnen wir mit dem Wort Gottes. Nach jeder Lesung aus der Bibel ruft uns der Lektor zu: „Wort des lebendigen Gottes“. Wir haben uns an diese Formel gewöhnt. Eigentlich müsste sie uns erschüttern. Das, was wir gerade gehört haben, stammt aus Gottes Mund. Nur wenn die Lesung „anstößig“ ist, wenn etwa Menschen getötet werden, dann merken wir auf. Das soll Gottes Wort sein? Aber das soll uns nicht wegführen vom Entscheidenden. Und das Entscheidende ist: Gottes Wort ist kraftvoll. So wie es uns der Prophet Jesaja in der Ersten Lesung überliefert: Das Wort, das Gottes Mund verlässt, „kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was [er] will, und erreicht all das, wozu [er] es ausgesandt“ hat. Darum verlangt das Wort Gottes zuerst Ehrfurcht. Darum können wir das Wort der Heiligen Schrift im Gottesdienst nicht durch irgendeine andere Geschichte ersetzen.</p><p>Das ist eine grundsätzliche Aussage und Zusage. Aber spricht Gott auch zu mir persönlich? Und wenn ja, wo und wie? Das gehörte Evangelium spricht von einem Sämann. Die Hörer Jesu hatten ein Bild vor Augen. Ein Mann hat einen Sack mit Samenkörnen umgebunden und streut den Samen aus. Außergewöhnlich im Gleichnis Jesu ist, dass der Sämann den Samen so verschwenderisch ausstreut. Sofort wird klar, dass es hier nicht um landwirtschaftliche Vernunft geht. Hier geht es um die Fülle. Gott spricht immer und überall: In der Schönheit seiner Schöpfung; in Menschen, die meiner Hilfe bedürfen; in Menschen, die mir beistehen; in Stille und Gebet; in der Feier unserer Gottesdienste; in der Überlieferung seiner Kirche…</p><p>Allerdings kommt Gott nicht lärmend und laut daher. Es ist ein kleines Samenkorn. Oft ist es ein unscheinbarer Auftrag. Und doch liegt im Samen die ganze Kraft Gottes, die Kraft, eine Pflanze, ja eine gute Frucht hervorzubringen.</p><p>Damit sind wir bereits bei der dritten Frage: Wie kann ich Gott hören? Das Gleichnis Jesu sagt, dass alle Menschen angesprochen sind. Gleichzeitig zeigt es aber, dass nur wenige Gottes Wort so hören, dass es in ihnen Frucht bringt. Wie kann das Wort Gott in mir reiche Frucht bringen?</p><p>Das Gleichnis spricht von unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit. Das ist meine Aufgabe, den Boden in mir zu bereiten. Das kann beispielsweise heißen, einmal alle Medien abzustellen, um still zu werden, um überhaupt hören zu können. Das kann heißen, regelmäßig im Gottesdienst und vielleicht auch daheim oder im Bibelkreis, die Heilige Schrift zu lesen, um sie durch die Vertrautheit mit dem Wort besser zu verstehen. Schließlich spricht der Apostel Paulus in der Zweiten Lesung vom Heiligen Geist. Der ist so etwas wie Sonne und Regen, die den Samen – so er auf guten Boden gefallen ist – wachsen und reifen lassen. Es braucht Gottes Hilfe und unsere Geduld.</p><p>Schauen wir dazu auf das Beispiel der Heiligen, allen voran Maria. Hier sehen wir am deutlichsten, wie es gelingt im Leben konkret auf Gottes Wort zu hören und zu antworten. Damit es auch in uns reiche Frucht bringt. Amen.</p><p>12.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73888</guid><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Die Gabe des Glaubens in Gemeinschaft bezeugen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/die-gabe-des-glaubens-in-gemeinschaft-bezeugen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum Kiliani-Sonntag 2026</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260705_Audio_Predigt_Kiliani-Sonntag_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;am 8. Juli und am Sonntag zuvor feiern wir in unserer Diözese Würzburg das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Sie lebten im siebten Jahrhundert und waren Mönche. Das Tagesgebet bringt es auf den Punkt: Durch die Missionsarbeit des Heiligen Kilian und seiner Gefährten wurde der christliche Glaube im fränkischen Land grundgelegt.</p><p>Natürlich beginnt die Geschichte in gewisser Weise mit jedem Menschen neu, weil ich mich entscheiden muss, ob ich den Glauben ergreife und lebe. Gleichzeitig ist es überaus wertvoll, dass wir den Glauben nicht neu erfinden müssen. Er ist schon grundgelegt – hier im Bistum Würzburg durch die heiligen Frankenapostel, insgesamt natürlich durch den Herrn selbst, der die Apostel um sich geschart, sie gelehrt und in alle Welt gesendet hat. Ganz wie es der heilige Paulus sagt: „Einen anderen Grund kann keiner legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“.</p><p>Der katholische Glaube ist kein „Buffet“, aus dem ich mir dieses oder jenes herauspicken kann – je nach Geschmack, der Eine progressiver, der Andere traditioneller… Unser Glaube ist eine Vor-Gabe. Christus hat uns die Botschaft vom Vater im Himmel gebracht. Er hat uns den Weg gezeigt, wie wir leben sollen. Durch sein Sterben und sein Auferstehen steht uns der Himmel offen. Darum entscheidet sich, wer Christ wird, nicht für diesen oder jenen Satz, sondern es geht um die Entscheidung für Christus und seinen Weg. Mancher schreckt vielleicht zurück: Nimmt mir das nicht meine freie Wahl. Doch das Gegenteil ist wahr: Diese Entscheidung schenkt mir einen sicheren Grund, auf den bauen kann – in allen Moden und Meinungen, in den Schwankungen und Stürmen. Darum lädt uns das Kiliani-Fest ein, dass wir uns vergewissern: Stehen wir noch auf dem Grund, den die Frankenheiligen gelegt haben?</p><p>Die Lebensbeschreibung der Heiligen aus Irland hält einen zweiten, wichtigen Punkt fest. Sie betont die Gemeinschaft. Nicht einer allein hat das Missionswerk geschaffen, sondern eine Gemeinschaft von Glaubensbrüdern. Nur so konnten sie etwas bewirken, ganz wie Jesus selbst seine Jünger zu zweit ausgesandt hat, damit sie seine Botschaft verkünden.</p><p>Gemeinschaft ist etwas Herausforderndes. Man muss sich abstimmen und absprechen. Ich kann nicht nur meine Bedürfnisse und Vorstellungen ausleben. Vermutlich betont Jesus darum in den Seligpreisungen den Dienst des Friedenstiftens und lobt diejenigen, die Barmherzigkeit leben. Man kann aber als Christ nicht allein überleben. Wir brauchen die kirchliche Gemeinschaft. Wir brauchen die Weisungen und Regeln, die uns die Kirche als Hilfe gibt für die Feier des Gottesdienstes, für das christliche Leben.</p><p>Wer allein geht, der kann vielleicht schneller geht. Aber wer gemeinsam geht, der kommt weiter. Ja, der wird manchmal, wie es der Hebräerbrief sagte, durch das Öffnen für den anderen selbst beschenkt. „Vergesst die Gastfreundschaft, denn durch sie haben einige – ohne es zu wissen – Engel beherbergt“. Als Kirche sind wir eine große Familie, in der viele Platz haben, in der aber alle immer wieder aufeinander zugehen müssen.</p><p>Schließlich spricht das Buch der Weisheit vom Martyrium. Im Feuer geprüft wurde der Glaube der Frankenapostel. Ihre Opferbereitschaft ringt uns heute noch Respekt ab. Sie haben ihre Heimat verlassen, um uns die Freude zu bringen, dass wir Christus kennen. Kilian, Kolonat und Totnan haben ihr Leben geopfert für die Treue zum Herrn und zu seiner Botschaft.</p><p>Wir sehen, ohne meinen Einsatz gibt es keine Kirche. Ohne mein Engagement kann das, was grundgelegt ist, nicht weiterwachsen. Ohne meine Opferbereitschaft wird unser Tun keine Frucht bringen. Das muss nicht das Vergießen des Blutes sein, aber es ist dennoch konkret. Es braucht die Zeit, die ich für die Teilnahme am Gottesdienst gebe. Es braucht meinen Einsatz für die Belange der christlichen Gemeinde, für die Erhaltung des Gotteshauses… Es braucht meinen Mut, für den Glauben das Wort zu ergreifen in der Familie und im Freundeskreis… Das ist nicht immer leicht, aber ohne diesen Einsatz geht es nicht.</p><p>Das Fest der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan erinnert uns an den festen Grund, auf dem unser Glaube steht: Jesus Christus und sein Evangelium. Die Frankenapostel ermutigen uns, den Glauben in der kirchlichen Gemeinschaft zu leben, auch wenn uns das manchmal herausfordert. Und schließlich sehen wir am Blutzeugnis der Missionare, dass es ohne meinen persönlichen Einsatz nicht geht. Doch alles, was wir mit Glauben und Liebe geben, wird reiche Frucht bringen. Amen.</p><p>05.07.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73779</guid><pubDate>Sun, 28 Jun 2026 09:45:00 +0200</pubDate><title>Der Lohn der Kleinen</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/der-lohn-der-kleinen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 13. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260628_Audio_Predigt_13._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;„was habe ich davon?“ Das ist eine häufig gestellte Frage bei der Verteilung von Aufgaben – sei es ausgesprochen oder unausgesprochen. Wir haben in uns meist ein Sensorium für die Verbindung zwischen Arbeit und Lohn, zwischen verhältnismäßigem Aufwand und Ertrag… Meist haben wir eine Einschätzung, was wir für angemessen oder eben unangemessen halten. Freilich kann diese Einschätzung auch daneben liegen, oder Erwartungen können unerfüllt bleiben.</p><p>Offensichtlich kennt auch Jesus diese Kategorien. Er spricht im Evangelium davon, dass jemand, der einen Propheten aufnimmt und vermutlich bewirtet, das erwarten darf, was eben ein Prophet zu geben vermag. So weit, so logisch. Dass dieser Lohn manchmal sogar größer ist, als man erwartet hatte, erzählt uns die Erste Lesung vom Propheten Elischa, dessen fürbittendes Gebet seiner Gastgeberin Kindersegen beschert.</p><p>Nun wäre es dennoch zu wenig, die Lesungen dieses Sonntags nur dahingehend zu verstehen, dass es um angemessenen Lohn für entsprechende Leistungen geht oder um manchmal überraschende „Zugaben“ oder „Zulagen“. Jesus formuliert im Bild einer Klimax. Der Vergleich scheint sich zu steigern: der Prophet, der Gerechte. Und nun würde man jemand noch Bedeutenderen erwarten. Wer könnte das aber sein, außer der Herr selbst? Jesus spricht nun von „Kleinen“, die sich einzig dadurch auszeichnen, dass sie „seine Jünger“ sind. Und ihnen einen Becher frisches Wasser zu geben, das soll reichen Lohn einbringen. Doch – wie eingangs gefragt – was habe ich davon, einen „Kleinen“ aufzunehmen, der selbst nichts hat?</p><p>Der Evangelist Matthäus überliefert uns zuvor Worte Jesu über die radikale Nachfolge. Ziemlich harte Worte sind das. Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter – also die wichtigsten Menschen, die es im Leben gibt – „mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert“, sagt Jesus. Mildern wir das nicht vorschnell ab, als habe er das nicht so ernst gemeint. Warum sagt Jesus es dann?</p><p>Jesus spricht nicht einfach über dasselbe Familienverständnis, das unsere heutigen Vorstellungen prägt. Wir gehen heute davon aus, dass Mann und Frau in Freiheit zueinander finden, aus Liebe heiraten… Das ist etwas Kostbares. Freilich ist auch das – nüchtern betrachtet – nicht frei von eigennützigen Motiven. Natürlich erwartet sich jeder auch etwas von seinem Partner oder seiner Partnerin. Was das ist, vermag nur jeder für sich selbst zu beantworten.</p><p>Aber zur Zeit Jesu war eine Familiengründung weitaus stärker eine pragmatische Entscheidung. Rein wirtschaftlich konnte niemand allein überleben. Vater und Mutter sowie Sohn und Tochter stehen hier zunächst einmal für die wirtschaftliche und finanzielle Absicherung. Lebensnotwendig. Die Zuhörer Jesu haben das verstanden. Und hier setzt Jesus an. Die Bindung an ihn, sagt er, gibt eine weitaus größere Sicherheit als diese lebensnotwendigen Absicherungen.</p><p>Doch das muss ich erst glauben können. So fordert uns dieser Sonntag heraus, nachzudenken: Was gibt mir Sicherheit? Glaube ich, dass Christus mir mehr Sicherheit gibt als alle Versicherungen, Medikamente, Immobilien etc. dieser Welt? Habe ich den Mut, etwas von mir zu geben für die Sache Jesu, für die Kirche, für die „Kleinen“, die bedürftigen Freunde Jesu im Wissen, dass ich tatsächlich „etwas davon habe“ – nämlich den Lohn, den Jesus seinen Jüngern verheißen hat. Amen.</p><p>28.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73742</guid><pubDate>Wed, 24 Jun 2026 20:00:00 +0200</pubDate><title>Demut und wahre Größe</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/demut-und-wahre-groesse/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum Geburtsfest Johannes des Täufers</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260624_Audio_Predigt_Johanni_2026.mp3" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;alle Evangelisten erwähnen Johannes den Täufer. Er wird im Zusammenhang der Taufe Jesu im Jordan erwähnt. Aber wir hören auch, dass er eine große Zahl von Jüngern und Zuhörern hatte bei seinen Predigten. Die Tatsache, dass es zu einem Konflikt mit König Herodes kommt, der ihn schließlich hinrichten lässt, sagt uns auch etwas über die Bedeutung und den Einfluss des Johannes. Mit jemandem, den keiner kennt oder beachtet, beschäftigt man sich nicht. Der Evangelist Lukas, wir haben es gerade gehört, erzählt uns auch von der Ankündigung der Geburt und von der Namensgebung des Neugeborenen.</p><p>Erstaunlich ist, dass jemand, der selbst so viel Ansehen und Beachtung erfährt, nicht sich selbst in den Mittelpunkt rückt, sondern auf einen anderen verweist. Die Apostelgeschichte zitiert Johannes mit den Worten: „Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.“ Eine beeindruckende Demut! Die Welt ist voll von Menschen, die sagen: Ich kann es. Ich bin der Größte. Schaut auf mich… Und das hat oft gerade tragische Folgen, wenn wir an die Kriegstreiber und Despoten unserer Tage denken.</p><p>Johannes zeigt einen anderen Weg. Er will tun, was wir vom Propheten Jesaja gehört haben: Das Volk Israel beim Herrn versammeln, damit Gott seine Stärke sei. Und indem Johannes das tut, findet er seine wahre Größe. „Ich mache dich zum Licht der Nationen“, sagt der Herr. Wer sich in den Dienst Gottes stellt, verliert nichts von seiner eigenen Größe, im Gegenteil er findet sie erst. Wenn wir Menschen den Weg zu Christus zeigen und bereiten, dann werden wir nicht zurückgelassen, nein, wir alle finden uns gemeinsam ein um den Herrn. Und der Herr hat jeden von uns im Blick. Bei ihm ist jeder gesehen und geachtet. Da muss sich keiner „aufspielen“ und auf seine echten oder vermeintlichen Verdienste pochen. „Euer Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“, sagt Jesus an anderer Stelle im Evangelium. Darüber kann man nur staunen, wie es die Nachbarn und Freunde von Elisabeth und Zacharias taten, als diesen noch in hohem Alter ein Sohn geschenkt wurde.</p><p>Diese Demut ist freilich nicht leicht. Es ist eine menschlich verständliche Sorge, beachtet und gesehen zu werden. Darum feiern wir das Geburtsfest unseres Kirchenpatrons. Das ist Grund zur Freude, wie es der Name „Johannes“ sagt: „Gott ist gnädig“. Er hat die stille Treue und Demut von Elisabeth und Zacharias gesehen und beachtet. Er nimmt den mutigen Dienst und die Demut des Täufers Johannes an, um seinem Sohn den Weg zu bereiten. Darin erkennen wir unseren Auftrag als Kirche: Christus den Weg bereiten. Wo wir ihn groß machen, da ist Platz für uns alle, für unsere Hoffnungen und Sorgen. Wo wir nicht ständig von unseren Strukturen und Ansprüchen reden, sondern vom „Wort dieses Heils“, das uns in Christus gegeben ist, da wird unsere Gemeinschaft anziehend sein und Zukunft haben. Amen.</p><p>24.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73414</guid><pubDate>Sun, 21 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Zeugnis geben für Jesus</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/zeugnis-geben-fuer-jesus/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 12. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260621_Audio_Predigt_12._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;für eine erstaunliche Aufmerksamkeit sorgte nach dem Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntagabend, dass einige Spieler – wie es Felix Nmecha ausdrückte – „einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht“ haben. Ich habe mich nicht näher mit der Konfession oder Lebensauffassung dieses Fußballspielers und seiner Kameraden beschäftigt, aber diese erfrischende Selbstverständlichkeit, dass man „einfach“ miteinander ein kleines Gebet spricht, fand ich erfreulich.</p><p>Natürlich wurden verschiedene Ansichten geäußert: Darf man das? Ist das die richtige Form? Werden alle Religionen von den Medien gleich behandelt? … Darauf will ich gar nicht eingehen. Ich will darüber nachdenken im Blick auf die eben gehörten Worte aus dem Munde Jesu. Er sagt: „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht…“ und weiter: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen“.</p><p>Glaube und Bekenntnis gehören zusammen. Im Sinn des Evangeliums ist Glaube kein privates „Gefühl“. Es geht um die Suche nach dem Grund meines Lebens und dem Grund aller Dinge. „Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, sprechen wir Sonntag für Sonntag im Credo. Und vielleicht weil wir es schon so oft gesprochen haben, ist uns der Umfang dieser Worte nicht immer gewahr. Denn wenn Gott der Schöpfer und Urgrund aller Dinge ist, dann hat er auch mit allem in meinem Leben zu tun. Hier im Gottesdienst, aber ebenso in meiner täglichen Arbeit, in der Kirche und ebenso in meinem Zuhause… Zugegeben, ein hoher Anspruch. Aber drunter macht es Jesus nicht. Gleichzeitig sagt er uns zu, wenn du diese Entscheidung getroffen hast, dann brauchst du dich nicht mehr zu fürchten – vor keiner Bedrohung und keiner Macht dieser Welt.</p><p>Der heilige Paulus begründet uns das theologisch. In der Zweiten Lesung haben wir gehört, wie der Apostel davon spricht, dass die „Herrschaft des Todes“ gebrochen ist für alle, die an Christus glauben. Die Zeilen aus dem Römerbrief sind anspruchsvoll. Im Kern geht es um die Frohe Botschaft, dass Jesus an unsere Stelle getreten ist und die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen hat. Er ist meinen Tod gestorben am Kreuz. Darum ist alles anders, wenn ich ihm glaube. Ich bin nie allein, nicht einmal in der dunkelsten Stunde des Sterbens. Ich falle nicht ins Nichts, sondern darf mich vom Herr führen lassen in die Auferstehung. Das meint es, wenn wir sagen: Jesus ist der Herr!</p><p>Wenige, doch gewichtige Worte. Sie wollen uns die Menschenfurcht und die anderen Ängste nehmen, die uns bedrängen. Bereits der Prophet Jeremia erzählt uns, wie er diese Befreiung am eigenen Leib erfahren hat. Er hat Zeugnis gegeben für Gott und die Weisungen Gottes. Dafür will man ihn zu Fall bringen. Man drängt ihn aus der Gemeinschaft und wirft ihn in eine Grube, wo man hofft, dass er verendet. „Doch der Herr stand mir bei“, rief er uns in der Ersten Lesung zu. Jeremia macht die Erfahrung, dass Gott ihn nicht im Stich lässt, er ist bei ihm selbst in der „Grube“.</p><p>Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken. Wir dürfen davon Zeugnis geben – nicht „besserwisserisch“ oder überheblich, nein, bescheiden, aber doch fröhlich und frei. Das hat mir an der eingangs erzählten Begebenheit gefallen. Eigentlich ist das gar nicht so kompliziert. Vielleicht ein Kreuzzeichen, bevor ich esse – auch in der Öffentlichkeit; vielleicht ein Innehalten, wenn die Glocken zum Gebet rufen; vielleicht der Sonntagsmesse den Vorrang geben in der Planung, auch wenn viele Einladungen an mich herangetragen werden… „Fürchtet euch nicht“! Amen.</p><p>21.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73316</guid><pubDate>Sun, 14 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Antwort auf Gottes Bund </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/antwort-auf-gottes-bund/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 11. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260614_Audio_Predigt_11._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;die Lesung aus dem Alten Testament erinnert uns an einen zentralen, biblischen Begriff: den Bund. Aus der Sklaverei in Ägypten befreit, erwählt Gott dieses kleine Volk Israel zu seinem besonderen Eigentum. Die ganze Welt gehört ihm. Doch diese Aussage, so wahr sie ist, kann recht abstrakt klingen. Ja, Gott ist der Schöpfer von allem, ohne seinen Willen gäbe es nichts. Das Erstaunliche ist aber, dass Gottes Allmacht nicht zu trennen ist von der Nähe, die er zu den Menschen sucht. Und nicht allgemein zu irgendeiner Menschheit, nein, zu einem konkreten Volk, zu konkreten Menschen. Darum nennt das Alte Testament Abraham, Isaak und Jakob oder auch Mose beim Namen sowie Sarah, Rahel oder Esther…</p><p>Der Bund ist etwas Greifbares, Konkretes. Gott spricht Menschen an, er schenkt ihnen Zugang zu seinem Herzen und zu seiner Botschaft. Darum ist der Bund zuerst eine Gabe Gottes, seine Initiative, sein Wirken. Freilich kann das nicht fruchtbar werden ohne eine konkrete Antwort des Menschen. Die Lesung spricht vom Hören auf die Stimme Gottes und vom Befolgen seiner Weisungen. Das meint es, den Bund zu halten und Gottes „besonderes Eigentum“ zu sein: auf Gott und seine Gebote zu hören.&nbsp;Das Tagesgebet fasst das in knappen Worten wunderbar zusammen: Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.&nbsp;</p><p>Auch das Evangelium nennt konkrete Namen: die Zwölf Apostel werden beim Namen genannt und gesendet. Heilend, greifbar und aufrichtend sollen sie im Namen Jesu wirken. Verkündet: „Das Himmelreich ist nahe!“ Gott lässt seine Botschaft durch Menschen ausrichten. Gott lässt sein Heil durch menschliche Hände uns berühren. Gott spricht sein befreiendes Wort mit menschlichen Lippen. Das gilt für all seine Gläubigen als unser Auftrag, als unsere Antwort auf seinen Bund. Das gilt freilich in besonderer Weise für diejenigen, die Jesus in den geistlichen Dienst ruft, damit sie im sakramentalen Priesteramt wirken. Hier ist die Ernte tatsächlich groß, doch es gibt nur wenige Arbeiter. Beten wir um Priesterberufungen, um Ordensberufungen, um kirchliche Mitarbeiter – beruflich und ehrenamtlich.</p><p>Nicht „irgendwer“ ist dafür zuständig, es braucht immer konkrete Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft, ja ihr Leben zur Verfügung stellen. Ohne diese Hingabe und Großzügigkeit geht es nicht. Wenn wir anfangen zu rechnen, wo bleibe da ich, was habe ich davon, was kriege ich dafür, dann verfehlen wir das Geschenk seines Bundes. Der heilige Paulus erinnert die Christengemeinde in Rom daran, dass Jesus sein Leben für uns verschenkt hat, noch bevor wir ihm irgendein Zeichen unserer Liebe geschenkt hätten. Er ist unser Vorbild. Nur in seiner Haltung können wir dem Vater antworten auf das Geschenk des Bundes. Wie wir in diesen Tagen beten: Jesus, „bilde unser Herz nach deinem Herzen“.&nbsp;Amen.</p><p>14.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73319</guid><pubDate>Sun, 07 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Klare Worte</title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/klare-worte/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zum 10. Sonntag im Jahreskreis A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260607_Audio_Predigt_10._Sonntag_im_Jahreskreis_A_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;Wesentliches wird meist in wenigen Worten ausgedrückt. Eine Abmachung zum Beispiel: Ich sage zu, dass ich da bin und helfe. Ein klares Wort genügt. Oder auch der Trost: Ich sage, dass ich da bin und höre zu. Ein aufmerksames Wort genügt. So ist es auch heute im Evangelium. Im Leben des Zöllners Matthäus geschieht etwas Unerhörtes. Alles ändert sich von Grund auf. Und dafür genügen drei Worte Jesu: „Folge mir nach.“</p><p>Es beeindruckt mich immer neu, wie in so wenigen Worten so Wesentliches überliefert ist. Jesus geht auf denjenigen zu, von dem es die Umstehenden am wenigsten erwartet hätten. Selbst die Freunde Jesu haben damit wohl nicht gerechnet. Einen Außenseiter, einen Kollaborateur mit der römischen Besatzungsmacht, einen Zöllner, ihn ruft Jesus in den engsten Kreis der Zwölf. Erstaunlich.</p><p>„Da stand Matthäus auf und folgte ihm“, hieß es schlicht, doch inhaltsreich im Evangelium. In mehrfacher Hinsicht laden diese Worte uns ein, über unser Leben und unsere religiöse Praxis nachzudenken.</p><p>Zunächst einmal geht es um die Menge der Worte. Es gibt auch im religiösen Bereich die Versuchung, viele Worte zu machen. Weniger ist mehr. Wenn ich von Erscheinungen oder von Mystikern höre, die Hunderte von Seiten mit ihren Botschaften füllen, bin ich skeptisch, weil ich an die schlichten und knappen Worte des Evangeliums denke. Umso wichtiger ist, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren – auf die Worte und Taten Jesu, wie sie uns die Evangelisten treu überliefert haben. Obwohl es nur wenige Worte sind, reicht ein ganzes Leben nicht aus, sie zu durchdringen. Für die Vertiefung des geistlichen Lebens brauchen wir nicht so viele „Nebenschauplätze“, sondern müssen uns auf die Mitte, auf Christus und sein Wort konzentrieren.</p><p>Ein zweiter Gedanke ist das Vertrauen. Die Worte des heiligen Paulus, der über das Gottvertrauen des Abraham schreibt, fordern zu einem Sprung des Vertrauens heraus. Was hat es konkret für Matthäus bedeutet, aufzustehen und alles zurückzulassen: sein Haus, seine materielle Sicherheit, sein Umfeld…? Das war gewiss nicht leicht. Und doch hat er es gewagt, nicht weil ihm dieses oder jenes bewiesen worden wären, sondern weil er Jesus vertraut hat. So wie Abraham Gott „voll Hoffnung geglaubt“ hat, dass er Zukunft und Leben findet, wenn er Gottes Wege geht. Ohne diesen „Sprung des Glaubens“ geht es nicht. Doch der Herr ruft nicht Perfekte und Überflieger, sondern er ruft die, die bereit sind, ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen.</p><p>Schließlich ein dritter Gedanke: Die wenigen Worte des Evangeliums sind herausfordernder als eine Menge von Sätzen, weil sie die Konkretheit meines Handelns herausstellen. Viele Worte kann man leicht machen, konkret zu handeln, ist weit schwerer. Doch genau das ist gefragt. Die Nachfolge Jesu ist keine Theorie, sie ist ein Weg. Manchmal mühsam und herausfordernd, doch immer lohnend – in der Gemeinschaft seiner Freunde und mit einem großen Ziel. Ganz konkret wendet sich Matthäus ab von Gewohnheiten, die schlecht oder schädlich sind, von einer übermäßigen Konzentration auf Geld oder Besitz… Ganz konkret wendet er sich dem Herrn zu und schenkt ihm Gehör, schenkt ihm Zeit und seine Talente. Und diese Frage geht jeden von uns an: Woran merkt jemand, dass ich ein Freund Jesu, ein Christ bin – nicht in vielen Worten, sondern in konkreten Taten?</p><p>Vielleicht nehmen wir diese Frage mit in die Woche. Sie fordert uns auf, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, auf den Herrn und seine Weisung. Sie ermutigt uns, dass wir ihm ganz vertrauen. Sie führt uns dazu, dass mein Christsein konkret wird in Wort und Tat, in der Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten. Amen.</p><p>07.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73320</guid><pubDate>Thu, 04 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Wir leben von Seiner Gegenwart </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/wir-leben-von-seiner-gegenwart/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zu Fronleichnam A</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260604_Audio_Predigt_Fronleichnam_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;ein guter Freund ist Pfarrer in Norwegen. Wenn ich ihn besuchen darf, dann beeindruckt mich, wie weite Wege die Katholiken dort auf sich nehmen, um an der Heiligen Messe teilzunehmen. Es ist dort nicht alles besser als bei uns. Auch lässt sich nicht alles vergleichen. Aber mich erinnert es daran, wie kostbar die gemeinsame Feier der Heiligen Messe ist. Und der Dankbarkeit für dieses große Geschenk des Herrn ist das heutige Fest geweiht.</p><p>Eben haben wir einen Abschnitt aus der „Brotrede“ gehört. Jesus predigt in der Synagoge von Kafarnaum. Und seine Worte lassen es nicht an Klarheit missen. Als Jesus vom „Brot des Lebens“ spricht, das sein eigenes Fleisch ist, hört man geradezu das Unverständnis und den Widerstand. Offen berichtet der Evangelist Johannes davon: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ „Was er sagt, ist unerträglich“… Doch Jesus beschwichtigt nicht: So ernst habe ich das nicht gemeint. Nein, er bekräftigt noch einmal: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst, habt ihr das Leben nicht in euch.“</p><p>Ohne den Herrn können wir nicht leben, nicht seine Freunde sein, nicht seine Kirche sein. Hier ist das Evangelium ganz klar. Und die Kirche hat das von den Anfängen bis heute so verstanden. Natürlich war es nicht ganz einfach eine geeignete Sprache zu finden, um zu erklären, dass wir wirklich Christus selbst empfangen, wenn wir die heilige Kommunion essen. „Augen, Mund und Hände täuschen sich“, schreibt der große Thomas von Aquin. Doch wir vertrauen dem Wort Jesu: „Das ist mein Leib“. Nicht nur ein Bild, nicht nur eine Erinnerung, sondern er selbst, der ganze Christus. Dem Staunen über dieses Glaubensgeheimnis ist die Prozession und die Feierlichkeit des Fronleichnamstages gewidmet.</p><p>Fronleichnam ist ein wunderschönes Fest, doch es reicht nicht aus. Wir müssen jeden Sonntag die Heilige Messe mitfeiern, damit wir mit Christus verbunden bleiben, damit wir lebendige Glieder seines Leibes bleiben. Denn hier verkünden wir den Tod und die Auferstehung des Herrn, bis er wiederkommt. So lehrte der heilige Paulus.</p><p>Der Glaube an die Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie ist eine Vertrauenssache. Und doch ist diese Gegenwart auch an konkrete Voraussetzungen geknüpft, das kennzeichnet unsere katholische Sicht. Wir brauchen die Gaben der Erde und der menschlichen Arbeit: Brot und Wein. Wir brauchen den Priester, der auf sakramentale Weise die Gegenwart des Herrn vermittelt. Wir brauchen die Kenntnis darüber, was zu tun ist. Wir brauchen die Zeit und die Mühe, die wir aufbringen, um zur Kirche zu kommen… Und hier kommt das ins Spiel, was wir im Korintherbrief lesen, den ältesten Hinweisen im Neuen Testament zur Feier der Heiligen Messe.</p><p>„Ein Brot ist es, darum sind wir viele ein Leib“. Ganz deutlich unterstreicht der Apostel den Zusammenhang von Eucharistie und Kirche. Die Kirche lebt aus der Eucharistie. Alle Mitfeiernden müssen sich aber von der Kommunion mit dem Herrn prägen lassen und auch Kommunion untereinander haben. Jeder Katholik ist in jeder katholischen Messe willkommen. Das gilt. Gleichzeitig müssen wir uns, auch einbinden lassen in die konkrete Gemeinde des Herrn. Sonst läuft unser Glaube Gefahr, einseitig, egoistisch oder rein geistig zu werden und wäre damit nicht mehr katholisch.</p><p>Die Botschaft ist klar: Christus ist selbst gegenwärtig unter der Gestalt des Brotes in der heiligen Kommunion. Ohne diese Feier seiner Gegenwart gibt es keine Kirche. Darum ist die Sonntagsmesse so wichtig. Doch dieses Bekenntnis fordert uns heraus, dass wir uns an den Herrn und seine Gemeinde binden lassen, dass wir unsere Zeit und unsere Talente opfern, damit wir würdig sein Opfer feiern können und so das Leben haben. Amen.</p><p>04.06.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73318</guid><pubDate>Sun, 24 May 2026 11:00:00 +0200</pubDate><title>Verstehen lernen </title><link>https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/aktuelles/predigten/pr-detail/ansicht/verstehen-lernen/</link><description>Predigt von Pfarrer Daigeler zu Pfingsten</description><content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://schweinfurter-oberland.bistum-wuerzburg.de/fileadmin/Bistum_Folgeseiten/PR_Schweinfurter_Oberland/Audio/Predigten/20260524_Audio_Predigt_Pfingsten_2026.mp3" title="Audiodatei der Predigt" target="_blank">Anhören</a></p><p>Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,&nbsp;„du verstehst mich“. Mit diesem kurzen Satz drücken wir nicht nur eine sprachliche Herausforderung aus, wenn etwa zwei Menschen unterschiedliche Muttersprachen haben. Verstehen ist etwas Umfassenderes. Dazu gehört nicht nur die Kenntnis von Worten, es gehört auch das Interesse am anderen dazu, Wohlwollen, Sympathie, ja die Absicht, den anderen überhaupt verstehen zu wollen. Sonst reden Menschen oft aneinander vorbei.</p><p>Auf den ersten Seiten der Bibel geht es um grundlegende Fragen nach dem Warum. Warum gibt es die Welt und den Menschen? Warum gibt es Gut und Böse? Und auch, warum sind Menschen unterschiedlich und verstehen sich manchmal nicht? Die Erzählung vom Turmbau zu Babel geht dieser Frage nach. Wer die Geschichte liest, hört, dass hier Menschen „sich einen Namen machen“ wollen. Sie wollen sich und ihrer eigenen Bedeutsamkeit mit dem Turm ein Denkmal setzen. Das führt zur Konkurrenz, die sich in einer Sprachverwirrung äußert. Die Menschen, die einander bis dahin verstanden hatten, verstehen sich nun nicht mehr. Und daran scheitert das gesamte Projekt.</p><p>Die Erste Lesung, die wir am Pfingstfest hören, ist gewissermaßen eine Entgegnung dazu. Auch hier ist von unterschiedlichen Menschen die Rede. Sie sprechen verschiedene Sprachen, einige zählt die Apostelgeschichte namentlich auf. Doch plötzlich kommt es dazu, dass alle Menschen – Fremde wie Einheimische – die Worte der Apostel verstehen. Sie verstehen nicht nur ihre Worte. Sie verstehen, was sie in den Herzen der Zuhörer bewegen wollen. Anders ausgedrückt, sie glauben ihnen.</p><p>Die Zweite Lesung nennt uns die Ursache dafür. Sie werden vermutlich schon antworten können: Das war der Heilige Geist. Das stimmt. Der heilige Paulus präzisiert das aber noch etwas. Während in Babel sich die Menschen selbst in die höchsten Höhen erheben wollten, bewirkt der Geist, dass wir bekennen: „Jesus ist der Herr!“ Und wo Menschen das bekennen, verstehen sie einander. Sie verstehen, dass sie alle zu einer Familie gehören, zur Familie Gottes, zur Kirche. Darum ist Pfingsten in gewisser Weise das Geburtsfest unserer Kirche. „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen“, schreibt der Apostel.</p><p>Das ist ein großes Geschenk. Bei aller Unterschiedlichkeit, die wir mit uns bringen: Männer und Frauen, Junge und Alte, verschiedene Berufe und Lebensformen… Der Geist Gottes führt uns zusammen zu der einen Kirche Christi. Und das Fundament dieser Einheit ist das eine Bekenntnis: Jesus ist der Herr! Er ist der Sohn Gottes. Er ist für uns gestorben und er ist auferstanden von den Toten, wie uns die Jünger im Evangelium bezeugen. In ihm finden wir die Vergebung unserer Sünden.</p><p>Heute wird viel geklagt über Spaltungen in der Gesellschaft, über ein wachsendes Gegeneinander, darüber, dass Menschen nicht mehr miteinander reden und einander nicht mehr verstehen. Umso wichtiger ist das Gebet um den Heiligen Geist, der uns Verstehen lehrt, der uns zusammenführt. Und das ist nicht nur eine Theorie. In unserer weltweiten Kirche wird es konkret. Bei aller Unterschiedlichkeit haben wir im Gottesdienst unserer Kirche eine gemeinsame Form, wie wir beten. Darum ist die kirchliche Ordnung so wichtig, darum sind die Weisungen der Kirche meinen privaten Frömmigkeitsformen vorzuziehen. Und im Mitleben und Mitarbeiten in der Kirche wird uns konkrete Gemeinschaft geschenkt. Darum ist es so wichtig, dass wir aufeinander zugehen und achten in unserer Gemeinde, dass wir sehen, wo einer krank oder in Not ist. Damit er oder sie sagen kann: „Du verstehst mich“. Dann ist der Heilige Geist gar nichts „Theoretisches“, sondern ganz konkret fassbar. Amen.</p><p>24.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>